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Kulturarena Jena

Erste Konzerte ausverkauft


"Kultur ist ein Grundnahrungsmittel und Mediator. Kultur ist das, was uns erst ausmacht. Sie schafft Anlässe, zusammen zu feiern und uns zu hinterfragen. Sie irritiert, stärkt unsere Herzen und inspiriert uns, neue Horizonte zu entdecken."

Das meinen die Macher der Kulturarena in Jena, und es fällt schwer, ihnen zu widersprechen. Das Mehrspartenfestival auf dem Theatervorplatz beginnt zwar erst am 9. Juli, doch jetzt schon sind die ersten Konzerte ausverkauft, das der Lakoniker von Element of Crime am 18. Juli und das von Weltvolksmusiker Hubert von Goisern am 5. August (Ausweichempfehlung: Fahrt am 2. Juli nach Gotha in die Stadthalle). Amélie-Soundtracker Yann Tiersen (6. August) und die TexMex-Desert-Folk-Rocker von Calexico (7. August) könnten die nächsten sein, bei denen wir nicht mehr zum Zuge kommen, oder aber Olli Schulz (13. August) und Gregor Meyle (14. August). Wir freuen uns außerdem auf die traumhaften Malky (24. Juli), hier im Doppelkonzert mit Kovacs.


Wort: BC / Bild: Max Parovsky, Sebastian Sach


Malky ©Max Parovsky

Malky

Gregor Meyle ©Sebastian Sach

Gregor Meyle




PhonTon e.V. Jena

PhonTon e.V. Jena

PhonTon e.V. Jena

Räume für Musik


Der PhonTon e.V. vermittelt Proberäume in Jena. Der Andrang durch die zahlreichen Bands ist groß, doch der Verein hat trotzdem ein neues Domizil gefunden.

Kennt man den Immobilienmarkt im prosperierenden Jena, so verwundert es nicht, dass neben Wohnungen auch Proberäume für Bands knapp und sehr gefragt sind. Der insgesamt etwa 100 Mitglieder zählende PhonTon e.V. weiß um diese Schwierigkeiten und hat sich der Vermittlung von Proberäumen verschrieben. Diese sind nun nach Örtlichkeiten in Jena-Göschwitz in einem Gebäudekomplex in Jena-Nord zu finden. Hier wird auch auf Gemeinschaftssinn gesetzt: In einem gemütlichen Aufenthaltsraum vor Ort ist es für die Musiker möglich, bei einer Runde Tischfußball ins Gespräch zu kommen. Ein freundlicher Anstrich und eine Bartheke sollen im Verlauf der andauernden Renovierungsarbeiten hinzukommen.
35 Bands und Musikprojekte, hauptsächlich mit den Schwerpunkten Post Rock, Metal und Stoner Rock, greifen derzeit auf die Unterstützung durch den Verein zurück, der sieben Proberäume zu seinem Bestand zählt. "Da wir durch unseren Umzug im April zusätzlich zwei neue Räume dazugewonnen haben, konnten wir auch Bands einen Platz bieten, die schon länger auf der Warteliste waren", so die Vorstandsvorsitzende Ina Zieger.
Neben der Vermittlung der Räume liegt dem PhonTon e.V. auch die Förderung von musikalischen Veranstaltungen am Herzen. Vor zwei Jahren hat der Verein in Zusammenarbeit mit zwei Mädels das kostenfreie Fête de la Musique nach Jena geholt, das am 21. Juni die Innenstadt wieder in eine riesige Open-Air-Bühne verwandeln wird.
Die vom Verein organisierte 8. Jenaer Schallspielnacht fand am 8. Mai statt und versammelte lokale Größen wie Paolo Macho, die Metalcore-Combo Insufficient Permissions sowie die Disco-Stoner Jimmy Glitschy im Ricarda-Huch-Haus, das der städtische Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena jüngst aus Kostengründen zum Verkauf stellte.
Immanuel Brinkmann (Foto mit der Band Daléa) ist stellvertretender Vereinsvorsitzender, selbst Gitarrist bei Lictor und weist auf ein Jubiläum hin: Der PhonTon e.V. feiert dieses Jahr sein zehnjähriges Bestehen. "Wir peilen hier August oder September an, vielleicht sogar mit einem kleinen Festival. Auf jeden Fall soll es in Jena fußläufig leicht zu erreichen sein", so der 28jährige.
Die Planungen stecken aber noch in den Kinderschuhen. Bei dem Event soll auch wieder das geschehen, was sich der Verein auf die Fahnen geschrieben hat: "Wir wollen jungen Bands, die Musik machen, eine Plattform geben", so Immanuel.

Internet:

www.phonton-jena.de


Wort und Bild: Lutz Granert




Andrea Baccomo

Andrea Baccomo

Andrea Baccomo

Jede Sekunde zählt


Der Straßenkünstler Andrea Baccomo verließ Familie und Heimat in Italien, um sich in Deutschland als Künstler neu zu entdecken.

Mit seinen Darbietungen verzaubert er die Menschen nicht nur in Jenas Fußgängerzone. Wenn Andrea die Bälle in Bewegung bringt, scheint die Schwerkraft für einen Moment außer Kraft gesetzt. Egal ob nur drei oder mehr Kugeln, mit beiden Händen oder auch mal nur mit einer - stets manövriert er sie zielsicher und elegant durch die Luft, lenkt sie über seinem Kopf oder hinter seinen Rücken. Auch dem ungeübten Auge fällt sofort auf, dass hier kein Anfänger am Werk ist.
2013 kam Andrea nach Jena, um seinen europäischen Freiwilligendienst im Circus Momolo zu absolvieren. Doch schon in Italien brannte er für die Jonglage. Eine Leidenschaft, die für ihn als Jugendlicher begann und ihn bis heute fesseln sollte. Wann immer er Zeit hatte, versuchte er seine Technik zu verbessern oder sich neue Tricks beizubringen. Auch sein Studium der Mathematik konnte ihn nicht bremsen. Vielmehr fusionierten dabei Theorie und Praxis, Kunst und Wissenschaft. Andrea versuchte mit Hilfe von mathematischen Formeln, die scheinbar chaotischen Wege der Kugeln nachzuvollziehen und schrieb sogar seine Bachelorarbeit über Mathematik in der Jonglage. Nach dem Studium musste sich Andrea entschieden: Sollte er die akademische Ausbildung weiterverfolgen oder auf neuen, ungewohnten und unter Umständen sehr unsicheren Wegen gehen?
Andrea entschied sich für die Einreise nach Deutschland und wagte den ersten Schritt Richtung Professionalität. Er entsagte den Zahlen und widmet sich seitdem nur noch seiner Kunst. Im Circus Momolo konnte er seine Fertigkeiten perfektionieren. Doch er verbesserte dort nicht nur die Technik, sondern lernte auch, wie man eine Show strukturiert, das Publikum mit Witz und Charme einfängt und so mehrere Stunden lang unterhält. Fertigkeiten, die ihm heute noch nutzen, wenn er in den Fußgängerzonen in Jena oder Leipzig sein Können zeigt.
Wenn er im Zirkus oder im Theater auftritt, versucht er immer, die Jonglage in eine größere Show einzubinden - wie zum Beispiel in seinem ersten Theaterstück "alleinsamkeit", das 2014 Premiere feierte. Doch wenn er auf der Straße ist, zählt für ihn nur die Virtuosität, frei von größeren Zusammenhängen.
"Das Schönste an Jonglage auf der Straße ist, dass es keine Decke gibt, die einen begrenzt", sagt er mit einem zufriedenen Lächeln und wendet sich dann wieder seiner Darbietung zu. Auf der Straße zählt jede Sekunde. Eine Gratwanderung zwischen schlichtem Vergnügen und harter Arbeit. Man muss die Menschen beim ersten Blick einfangen, fesseln und begeistern.

Internet:

www.andreabaccomo.com


Wort und Bild: Robert Sittner