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Kunstrasen Festival

Kunstrasen Festival

Kunstrasen Festival in Erfurt

Kunst in allen Formen


Durch ein umfangreiches Kunst- und Kulturangebot hat sich das Open-Air-Festival Kunstrasen innerhalb der letzten fünf Jahre als ein fester Bestandteil der kulturellen Erlebnislandschaft in Erfurt etabliert.

Über 1.500 Besucher zog das Event im letzten Jahr an. In dieser Saison wird das Konzept um viele Aspekte erweitert. Im Sommer erblüht das 6.000 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Berufschule am Wasserturm 4 erneut als eine Oase der Künste. Doch bevor Anfang August das Kunstrasen Festival die altehrwürdige Brachfläche im Osten der thüringischen Landeshauptstadt belebt, können Kulturbegeisterte bereits ab Juni ein breites Kunstangebot erleben und genießen. Ob Filme, Gemälde, Plastiken, Skulpturen oder Musik, hier sollte jeder auf seine Kosten kommen.
Den Anfang macht ein Horrorfilmabend am zweiten Juniwochenende. Unter freien Himmel und vor der Kulisse der im Zerfall begriffenen Schule zeigen die Organisatoren Gruselstreifen von jungen Regisseuren und schaurige Blockbuster von etablierten Filmemachern.
Wesentlich handfester geht es vom 27. Juni bis zum 4. Juli auf derselben Fläche zu. Das einwöchige Kunstsymposium "proForma" bietet dann kreativen Raum für Studenten, ambitionierte Nachwuchskünstler und professionelle Kunstschaffende. Unter der Leitung des gelernten Holzbildhauers und Handwerksmeisters Robert Kolbe soll jeder Gestaltungsmöglichkeit freier Lauf gelassen werden.
"Es gibt keine thematische Vorgabe", sagt Robert, der seine Ausbildung an der Holzschnitzschule Empftershausen erfahren hat. Bildhauerisch werden die zur Verfügung gestellten Baumstämme zu lebensgroßen Skulpturen verarbeitet. Aber es geht nicht nur um traditionelle Schnitzkunst. "Ich möchte mit modernen Ideen und Formen auf dieses Handwerk aufmerksam machen und es unter einem neuen Blickwinkel erscheinen lassen", erläutert der Bildhauer die Intention, mit der das Symposium ins Leben gerufen wurde.
Genauso wie im letzten Jahr müssen sich die Teilnehmer nicht an das Holz als Arbeitsmaterial binden. "Falls sich die Möglichkeit ergibt, möchten wir auch mit Sand und Stein arbeiten. Auch Graffiti an den Wänden der ehemaligen Schule sollen entstehen", so Robert. Während des Symposiums haben Besucher die Möglichkeit, sich mit den Künstlern auszutauschen und können die Werke am letzten Tag der Veranstaltung, dem Abend der feierlichen Enthüllung der Objekte, oder einen Monat später, auf dem Festival, erwerben. Interessenten sollten sich bis zum 6. Juni auf der Homepage des Kunstfestivals für einen Platz im Symposium bewerben. "Die Bewerbung muss zwei Skizzen oder Zeichnungen des angestrebten Werkes enthalten. Gern dürfen sich auch Künstler außerhalb von Thüringen melden", erklärt Robert.
Den krönenden Abschluss der Saison bildet das Open-Air-Festival Kunstrasen am 7. und 8. August. Über zehn Bands und Liedermacher sorgen an den beiden Tagen für die musikalische Untermalung, während auf der Kleinkunstbühne Lesungen stattfinden und sich Impro-Theatergruppen präsentieren. In einer großen Kunstauktion mit ausgewählten Werken aller am Festival teilnehmenden Künstler sollen in diesem Jahr die bildenden Künste gezielt in den Fokus rücken. "Um dem Publikum die Chance zu geben, auch ein Stück erwerben zu können, darf der Wert eines Objekts nicht die 100-Euro-Grenze übersteigen", erläutert Kuratorin Saskia Nottrodt. Im Vorfeld sollen die zur Versteigerung stehenden Stücke auf der Internetseite des Festivals gezeigt werden. Die Veranstalter sind noch auf der Suche nach Ausstellern und Musikern. Bands können sich bis zum 25. Mai und Künstler sogar bis zum 20. Juni für einen der Festivalplätze über die Homepage bewerben.
Vor einem Problem stehen die Organisatoren aber jedes Jahr aufs Neue: Die Geldakquise. "Leider entstehen Kunst und Kultur nicht von selbst und die Fördertöpfe des Landes für Kultur sind äußerst begrenzt", so die Veranstalter. "Auch wenn wir alle ausnahmslos ehrenamtlich arbeiten, fallen bei solch einem Projekt enorme Kosten an", sagt Florian Wittwer, einer der Initiatoren. Diese Kosten entstehen vor allem beim Kauf von Künstlerbedarf. Denn Farben, Leinwände, Pinsel und Sprühdosen müssen herangeschafft werden. Daher hat der gemeinnützige Kunstverein GKKW e.V., welcher maßgeblich hinter dem Festival steht, auf der Crowdfundig-Plattform Startnext erneut ein Spendenprogramm ins Leben gerufen. Bis Ende Juli können Unterstützer für eine Spende kleine und große Dankeschöns erwerben. Auch günstigere Zweitagestickets für das Event bieten die Veranstalter an.

Internet:

www.kunstrasen-erfurt.de

Wort: Carl Haubold / Bild: P.D.


Kunstrasen Festival

Kunstrasen Festival

Kunstrasen Festival

Kunstrasen Festival




Hendrik 'Hendoo' Steier

Hendrik "Hendoo" Steier

Hendrik "Hendoo" Steier

Tranceähnliche Zustände


Welcher DJ oder Musiker beschäftigt sich noch mit den Wurzeln unserer Feierkultur, mit Schamanismus und den Ritualen der Naturvölker?

Hendrik Steier aus Saalfeld sind diese Zusammenhänge vertraut. Nach Erfahrungen als Tänzer eines Tanz- und Folklore-Ensembles und wilden Partyzeiten beschloss er, von der Tanzfläche ans DJ-Pult zu wechseln. Und als er das Didgeridoo entdeckte, hatte er die Idee, beides zu verbinden. Diese Mischung kommt gut an: Im Kater Holzig in Berlin oder im Kassablanca in Jena tanzt die Partymeute zu seinen exotischen Klängen.
Der Thüringer Jo Sommer, Weltmeister auf dem Glas-Didgeridoo, brachte ihm den Geist der Aborigines-Kultur bei gemeinsamen Workshops und Auftritten nahe. Aus der anfänglichen Begeisterung für das Didgeridoo wurde eine konstante Faszination: "Die Zeit war einfach reif für dieses Instrument. Fast jeder Zweite, mit dem ich ins Gespräch komme, hat ein Didgeridoo zu Hause stehen, doch nach zwei bis fünf Versuchen bleibt es auch meist da stehen ... Als ältestes Instrument der Menschheit, dessen Spiel einen in tranceähnliche Zustände versetzen kann, ist es geradezu dafür prädestiniert, erforscht zu werden."
Ab und zu hält Hendrik Vorträge in Schulen, um sein Wissen über die Aborigines und das Didgeridoo-Spiel weiterzugeben. Mit seiner Musik möchte er "euphorische Stammestanzatmosphäre" verbreiten, im scheinbaren Gegensatz dazu stehen die Gedichte, die Hendrik bei Lesungen mit Kerzenschein und Wein präsentiert und die von Goethe, Rilke und Herrmann Hesse inspiriert sind.
Durch seine Mutter, die ihm als Kind Wilhelm Busch vorlas und auch selbst dichtete, wie auch den Großvater, der gern in den Feldern bei Gera seine Verse schrieb, wurde ihm das Talent schon in die Wiege gelegt. Entdeckt hat er es, wie das so oft der Fall ist, durch die erste Liebe. Jetzt gehört das Schreiben neben der Musik zu seinen kreativen Ausdrucksmitteln.
Pläne und zu genaue Vorstellungen von dem, was noch kommen soll, sind nicht seine Sache. Oft ergeben sich Projekte und Möglichkeiten durch den Spaß an Musik und Literatur und das Interesse an der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern: "Ich arbeitete mit mehreren Künstlern aus verschiedenen Bundesländern zusammen - DJs, Live-Acts, Saxofonisten, Gitarreros. Meinem langjährigen Freund und Musikerkollegen 'Colt live' bin ich besonders verbunden. Geplant sind auch Studioaufnahmen mit dem Didgeridoo für eine eigene Studio-EP. Außerdem arbeitete ich an einem Band mit erotischen Gedichten, der im Vieregg-Verlag erscheinen soll."

Internet:

www.facebook.com/hendoo.live


Wort: Ulrike Melzer / Bild: privat




Jan Hoffmann a.k.a. Husen

Jan Hoffmann a.k.a. Husen

Jan Hoffmann a.k.a. Husen

Kommerz ist anders


Kommerz ist das genaue Gegenteil von dem, was das Ein-Mann-Projekt Husen aus Erfurt seit über 20 Jahren verkörpert.

Möchte man sich eine Vorstellung davon machen, wie Industrial, eine elektronische Musikrichtung, klingt, sollte man sich zu einem Güterbahnhof begeben und die metallische Klangkulisse in sich aufnehmen. Diese unterlegt man dann mit einem rhythmischen Bass und ergänzt sie je nach Belieben durch eine gegenläufige Melodie. Lässt man dieses Bild kurz auf sich wirken, wird schnell klar: Wer auf der Suche nach vielen Fans ist, sollte sich anderen Sachen widmen.
Dennoch verschreibt sich der Erfurter Jan Hoffmann mit seinem Projekt Husen seit 23 Jahren genau diesem Sound. Angetrieben durch die musikalische Unzufriedenheit mit seiner damaligen Band begab sich Husen 1992 auf die Suche nach einem eigenen Stil. Dabei stolperte er in einer Gothic-Disco in Meiningen über die Musiker, die ihn bis heute beeinflussen. "Dive aus Belgien, Skinny Puppy aus Kanada und Current 93 aus England waren die ausschlaggebenden Künstler, die mich zum Industrial brachten", erinnert er sich.
Industrial lässt sich auf vielen Ebenen erzeugen. Auch wenn der einfachste Weg heute über den PC führt, bedient sich Husen zusätzlich in der analogen Welt der Synthesizer. "Ich liebe es, die unterschiedlichen Module des Synthesizers untereinander zu verbinden. Das ist ein bisschen wie mit Lego spielen. Über die Tonregler kann man dann direkt auf den Sound zugreifen", schwärmt er von den vielschichtigen Möglichkeiten.
Einen Teil seines Equipments baut er mittlerweile selbst. "Zum einen ist es wesentlich günstiger, zum anderen macht es Spaß, die einzelnen Teile zusammenzulöten und jedes einzelne Modul selbst zu konstruieren. Leider funktioniert nicht immer alles auf Anhieb", fügt Jan augenzwinkernd hinzu.
Die besten Ideen hat er an den trüben Tagen des Lebens: "Husen ist mein Therapieprogramm. Immer wenn es mir richtig beschissen geht, entstehen meine Songs." Das dauert manchmal einige Stunden oder mehrere Tage, zum Teil aber auch Jahre. "Man legt die Idee beiseite, stolpert irgendwann wieder darüber und greift sie wieder auf", erklärt der Musiker.
Seit 2010 spielt er Bass in der Erfurter Blues-Rock-Band Coroner's Child. Obwohl Husen seitdem zu seinem Nebenprojekt avanciert ist, veröffentlich Jan im Juni dieses Jahres sein drittes Album "ConCePt MinD ProCesS". Dieses wird streng auf eine Stückzahl von 375 limitiert sein. Sein erstes Album erschien übrigens 1997, damals noch auf Kassette.

Internet:

soundcloud.com/husen-2


Wort und Bild: Carl Haubold