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Mein Herz tanzt

Mein Herz tanzt


Dass ein junger Palästinenser auf Grund hervorragender Leistungen auf eine israelische Eliteschule darf, ist eher die Ausnahme. Und was ihm dort für Schwierigkeiten entgegenschlagen, davon handelt dieser wunderbare Film. Und davon, wie sich der Held des Filmes in ein israelisches Mädchen verliebt und über ein soziales Projekt zu einem ungewöhnlichen Freund kommt. Der hat eine schwere Muskellähmung und sitzt im Rollstuhl, sein Zustand wird nicht besser. Aber was von all dem kann er seinen Eltern, die all ihre Hoffnungen in ihn stecken, erzählen? Seine Freundin hat ebenfalls Probleme, ihre Eltern rasten aus, als sie erfahren, dass ihre Tochter mit einem Palästinenser befreundet ist. Das ist alles nicht getan mit der Aufgabe der eigenen Identität. Eine wundervolle Geschichte, berührend und streckenweise unheimlich witzig. Kein erhobener Zeigefinger, aber viele offene Fragen, über die man danach gern sinniert.
Kiss The Cook

Kiss The Cook


Manchmal kommt man aus dem Kino und wünscht sich eine Schere. Eine, um nochmal zurückzugehen und das zuvor Gesehene radikal zu kürzen. "Kiss The Cook" ist eigentlich eine nette kleine Gutfühl-Sommer-Story, die mit etwas mehr Tempo durchaus das Zeug dazu hätte, sich Lust auf gutes Essen und weite Strände ins Herz zu holen. Die Darsteller geben ihr Bestes, das nicht allzu feuerwerkige Drehbuch mit Leben zu füllen und der Geschichte um einen Koch, der gebremst von seinem Chef, vor dem Restaurantkritiker nicht wieder bestehen kann. Seine Geschiedene bringt ihn auf die Idee, es mit einem Imbisswagen zu versuchen, einem edlen. Das klappt auch, und da gerade Ferien sind, nimmt er den gemeinsamen Sohn mit. So findet er sich, zu seinem Sohn und den wirklichen Werten, könnte man zusammenfassen. Nette Idee am Rande: Die Sache mit den sozialen Netzwerken, ungeübten Benutzern und was daraus entstehen kann, wird durchgespielt.
Bild: NFP Bild: Studiocanal
Lost River

Lost River


Kleiner Geheimtipp! Erwachsenenkino ruhig erzählt, sehr real, streckenweise krass, durchaus spannend. Erinnert ein wenig an "Drive" und dessen Machart und ist dennoch etwas Neues. Amerikanischer Independent-Film kann also skurrilen Albtraum inszenieren, beweisen die Macher von "Lost River". Regisseur und Drehbuchautor Ryan Gosling zeigt, dass er auch hinter der Kamera Beachtliches zu leisten imstande ist. Ein trostloser Ort, der immer mehr zur Geisterstadt verwaist. Eine junge Mutter lässt sich auf einen gefährlichen Job in einem eigenartigen Nachtlokal ein, um nicht auch noch ihr Haus zu verlieren. Derweil klaut ihr Sohn aus den verlassenen Häusern Kupferdraht und gerät an den sich selbst zum Herrscher des Ortes aufgeschwungenen Bully, der vor keiner Brutalität zurückschreckt. Da passiert beim Zuschauer ganz viel im Kopf. Der Film selber schafft es, vieles nur anzudeuten und seinem Publikum zu vertrauen.
Child 44

Child 44


Der Film "Child 44" machte in den letzten Wochen Schlagzeilen, weil man ihn in Russland aus den Kinos warf. Die Stalin-Ära komme zu schlecht weg - der Kulturminister befand das so, neben anderen Entscheidern. Bei uns kann man über die Qualität des Films selbst ein Urteil fällen, ebenso seine Kritik dazu äußern. Und ganz unkritisch sollte man dieses sehr US-amerikanische Sittenbild aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der damaligen UdSSR auch nicht sehen. Der zu dieser Zeit herrschende Kalte Krieg wird hollywoodgemäß stilistisch aufgegriffen. Das ist also kein russischer Film und sind keine russischen Darsteller, die uns hier eine schreckliche Geschichte erzählen - aus einer Zeit, in der es Mord angeblich nur im Kapitalismus gab und Kinder schon gar nicht serienweise umgebracht wurden. Ein Militärpolizist will sich allerdings nicht damit abfinden und den Mörder finden. Er sucht auf eigene Faust, auch als man ihn ins Exil in die tiefste Provinz schickt.
Bild: Tiberius Bild: Concorde