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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Nicht während der Arbeitszeit


Immer wieder empört sich der Wutbürger in mir über den Wahnsinn der Gewerkschaften und ihre Streiks. Wenn es nach mir ginge, gäbe es klare Regeln: Kleine Gewerkschaften sollten gar nicht streiken dürfen und große sind sowieso scheiße! Das Schlimme ist, dass ein Streik immer Unschuldige trifft. Die Müllabfuhr holt den Müll unschuldiger Bürger nicht ab. Die unschuldigen Pendler stehen auf Bahnsteigen und an den Haltestellen, obwohl nichts fährt. Die unschuldigen Schüler haben Ausfall, weil die Lehrer streiken. Okay, die Schüler können das oft nicht vom Normalfall unterscheiden … Damit muss Schluss sein!
Ich habe kein Problem damit, dass Arbeitnehmer sich ein paar Dinge erkämpfen müssen. Aber doch nicht während der Arbeitszeit! Sollen die Müllmänner ruhig nach dem Dienst keinen Müll abholen, bei den Anderen. Die Busfahrer und Lokführer könnten in ihrer Freizeit demonstrativ auf Bus und Bahn verzichten, quasi Protest-Autofahren, draußen auf dem Land. Die Lehrer können sich gern wütend vor die Schule stellen und böse gucken! Aber nach dem Unterricht, wenn mein Kind zu Hause ist. Vor allem: Ohne Trillerpfeife und Rassel - das nervt! Wenn ich schon sehe, wer da alles streikt. Piloten: "Sollen mal schön die Fresse halten, bei dem Gehalt!" Lokführer: "Was ist denn das für ein Beruf? Die können sich ja dank Schiene nicht mal verfahren!" Lehrer: "Halbtags arbeiten, aber ganztags verdienen!" Müllabfuhr: "Möchte nicht wissen, was die da teilweise rausholen und sich in die Tasche stecken!" Muss man dabei den Straßenverkehr stören, den Pendlerverkehr beeinträchtigen oder die Kindesbetreuung einschränken? Müssen Streiks immer die Falschen treffen? Nein!
Dass es auch anders geht beweisen auf vorbildliche Art die Abgeordneten des sächsischen Landtages! Die haben noch nie während der Arbeit gestreikt. Also, es kann keiner genau sagen. Es könnte auch sein, dass die dauerstreiken ... Tatsache ist, dass deren Kämpfe um höheren Lohn extrem dezent sind, niemanden stören und dennoch, oder gerade deswegen, total erfolgreich sind. Die haben auf ihre sensible Art so einen Druck auf ihren Arbeitgeber aufgebaut, dass der alle Lohnforderungen seit 1990 grußlos durchgewunken hat. Und da waren Steigerungen dabei, gegen die ist die "steile Wand von Meerane" eine Flachstrecke!
Okay, die haben jetzt nicht direkt einen Arbeitgeber. Die müssen sich darum ihre Einkommen immer gegen sich selbst erkämpfen. Das ist schmerzhafte Selbstzerfleischung! Manche stimmen den Erhöhungen nur zu, weil das die Anderen auch machen. Dadurch gewinnen sie zum Glück immer, denn: Die Abgeordneten müssen ganz viel Geld bekommen, damit die Besten überhaupt bereit sind, diesen Knochenjob zu machen. Für wenig Kohle bekommt man nämlich keine guten Abgeordneten. Und die es trotzdem machen, sind beim dreifachen Einkommen eines Durchschnittsverdieners natürlich anfällig für Korruption! Die müssen ja auch von was leben …
Jetzt stellt sich die Frage, ob die Typen, die das aktuell für nur 8.000 Euro machen, schon die Guten sind? Wenn nicht, ab welcher Summe kämen die denn? Je länger ich über diese Logik nachdenke, umso mehr frage ich mich, warum das bei den "normalen" Leuten anders sein soll? Komisch, da finden die Abgeordneten das Argument mit dem Geld doof und erklären den Untergang der sächsischen Wirtschaft durch die Einführung des Mindestlohnes. Dabei ist das Eine nur gerecht und das Andere freche Selbstbedienung!
Leicht angesäuert, ciao, Euer Mario


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade