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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Nüchtern nicht auszuhalten


In meiner täglichen Lügenpresse las ich neulich, dass Israels Opposition ihrem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu (kurz: Bibi) vorwirft, er würde auf Staatskosten monatlich das Durchschnittsgehalt eines Arbeiters in Israel vertrinken. Respekt! Ich gehe mal von Alkohol aus, sonst wäre es ja eine Wasserstandsmeldung. Wenn das stimmt, ist das eine sportliche Leistung. Vorausgesetzt, das Monatsgehalt in Israel liegt in etwa bei unserem. Das Monatsgehalt einer Näherin in Bangladesch zu versaufen, dauert ja selbst mit Fusel aus dem Discounter keine halbe Stunde.
Zwar muss man befürchten, dass bei solch vermuteten Mengen Alkohol auch der Verstand leidet, aber es bleibt eine trinkerisch respektable Leistung. Vielleicht sollte Bibi einen Sauf-Ratgeber schreiben oder könnte den deutschen Jung-Koma-Säufern als Vorbild dienen. Was für eine Schlagzeile: "Bibi statt Barbie! Israeli säuft sich in deutsche Herzen". Andererseits wird er sich wohl kaum mit billigem Fusel besaufen. Das könnte bedeuten, dass er gar nicht viel trinkt, sondern nur verdammt teuer. Das hätte einen gewissen Stil und wäre auch eine positive Nachricht: "Israels Ministerpräsident säuft nicht - er trinkt!" Das ist wenigstens mal ein Image!
Unsere Kanzlerin trinkt gar nichts. Was Putin nimmt, weiß keiner. Jelzins Wodka war sicher Fusel. Obama ist Asket und Hollande ist Franzose, trinkt also erblich bedingt. Bei Bibi weiß man somit wenigstens, was er mit einem Teil des Staatsgeldes tut: Er versäuft es. Das ist mir doch lieber, als nüchtern Kriege anzuzetteln. Was allerdings besoffen auch geht … Und so viel Geld ist das gar nicht. Schlimmer wäre, er würde das Jahresgehalt des Daimler-Chefs Dieter Zetsche versaufen. Das lag im letzten Jahr bei knapp 8,4 Millionen Euro und somit etwa 0,2 Millionen über dem Vorjahr! Das ist eine Steigerung, die selbst im sächsischen Landtag mit Neid gesehen wird. Keine Gewerkschaft dürfte sich erlauben, an so was auch nur zu denken. Selbst Weselsky traut sich nicht. Da müssten die Lokführer wahrscheinlich jahrelang streiken! Übrigens wäre es sicher gerechter, wenn die Lokführer nur so lange streiken dürften, wie die Bahn im Jahr Verspätung aufweist. Was? Okay, dann doch lieber hundert Stunden.
Apropos: Die Fußball-WM 2022 wird in Katar stattfinden. Wahnsinn! Im Legoland des Fußballs! Klasse: Die FIFA schickt sich selbst in die Wüste! Bis mir klar wurde, die meinen ernsthaft das WM-Turnier. Okay, dachte ich, wenn die dort Rasen finden … Doch nun hat eine Fußball-Klima-Expertenkommission nach vier Jahren (!) Recherche überraschend festgestellt, dass es dort im Sommer so warm ist wie in Fukushimas Reaktorblöcken während der Kernschmelze. Darum wird die WM nun in den Winter verlegt! Immerhin geht es um die Gesundheit der Funktionäre, äh Spieler. Okay, nun müssen ein paar Sachen anders organisiert werden, aber sonst. Sollte sich das bewähren, dann sehe ich auch kein Hindernis, den Fußball in die Arktis zu bringen. Dort könnte man sogar wieder im Sommer spielen. Also, wenn ich so recht darüber nachdenke, lieber Sepp Blatter, da geht noch Einiges. Nur keine Hemmschwelle. Bei Bibi Netanjahu wissen wir nun, was ein Grund für manche politische Entscheidung im Nahen Osten sein könnte. Bei der FIFA kann ich nur spekulieren, was die für Zeug nehmen ... Und es macht mir Angst!
Besorgt, ciao, Euer Mario

Thiels Treffen:

19.03. Putjatinhaus, Gast: Reiner Zieschank


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade