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Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Der Kindergeburtstag


"Das ist doch kein Kindergeburtstag!" Man will damit sagen, dass es gerade richtig zur Sache geht und nicht so beschaulich wie bei diesem. Doch das ist Blödsinn, denn ein Kindergeburtstag macht nicht immer nur Spaß, sondern manchmal überhaupt keinen. Okay, den Kindern vielleicht. Aber sonst? Schon die Frage, wann man feiert … Für das Kind ist klar: Am Geburtstag. Dumm nur, dass es ein Montag ist, beide Eltern in Schichten arbeiten und gerade an dem Montag … Eigentlich müsste die Oma ran. Na gut, man könnte ein Familien-Kaffeekränzchen veranstalten und Papa kommt dann gegen sechs dazu. Wenn er es schafft. Aber nur Kaffee! Sonst bleibt die Familie wieder länger und früh klingelt der Wecker. Und nur Cousins und Cousinen! Schade, dass die nie ohne ihre Eltern erscheinen, was mit fünf oder sechs Jahren verständlich ist. Und das ist nur das Rahmenprogramm.
Der richtige Kindergeburtstag wird nämlich mit ganz vielen Kindern gefeiert. Die ängstliche Frage der Eltern lautet vorher: "Wie viele Kinder sollen denn kommen?" Nicht klug! Das Kind wird immer eine utopische Zahl nennen, bei der man glaubt, der Neujahrsempfang im Kanzleramt wäre gemeint. Und dann beginnt das Feilschen, als ginge es um Griechenland. Ein findiger Charakter hat vorgeschlagen, dass es so viele Kinder sein dürfen, wie das Kind alt wird. Danke dafür! Hat der daran gedacht, dass Kinder auch acht oder zwölf Jahre alt werden können? Liegt der Termin im Frühjahr oder Sommer, geht das vielleicht. Da kann man die Kleinen rausschicken. Weit weg, wo man sie sieht, aber nicht hört. Aber im Winter oder Schmuddelherbst hat man die in der Bude. Und denen gefällt das, weil fremdes Spielzeug viel mehr fetzt! Spätestens da ärgert man sich, beim Geburtstermin nicht auf die Ferien geachtet zu haben. Da können nämlich viele nicht, weil sie im Urlaub sind. Schaaade …
Okay, es werden "nur" die sieben besten Freunde eingeladen. Natürlich werden sich die Namen bis kurz davor noch ändern, denn "beste Freunde" ist eine schwammige Formulierung. Es müsste heißen, die "aktuell besten Freunde". Manchmal staunt man dann, wer alles erscheint. Auch finden Eltern nicht automatisch alle besten Freunde klasse, weshalb sie versuchen, dem Kind die Namen der doofen Kinder auszureden. Scheitert aber fast immer. Und was möchte das Kind an dem Tag gern machen? Da kommen dann Vorschläge, die man blöd findet bzw. nur mit einem Kredit finanziert bekommt. Außerdem wird schnell klar, dass Vielfalt nur ein Wort ist.
Manche Kinder sind fast jede Woche zu einem Geburtstag in derselben Rumtobe-Halle. Mit Pommes, Nuggets und Limonade. Wenn ich da mein Kind abhole, fühle ich mich selbst noch stundenlang wie ein ADHS-Patient. Und warum gibt es gerade in Einrichtungen für Kinder oft nur Fast Food mit Fabrik-Eis als Nachtisch? Da kann man als Eltern noch so sehr auf gesunde Ernährung achten, dort hat man verloren. Alternativen wären Kostümfest, Mottoparty, Basteltag, Theater, Kino, Schwimm- oder Eishalle, Bowling, Museen oder Versuche beim Nudeln-, Keramik-, Brot-, Kerzen- und sonst was Selbstmachen. Dummerweise haben das aber alle Kinder schon einmal hinter sich. Was Eltern an den Rand des Wahnsinns treibt, denn Wiederholungen sind tödlich! Manche kommen dann auf die komischsten Ideen und machen sich zum Clown …
Wenn man also diesen Spruch mit dem Kindergeburtstag bringt, sollte man immer darüber nachdenken, was Eltern an diesem Tag leisten. Respekt!
Ciao, Euer Mario


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade