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Dr. Winters Kolumne

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Mit Pony in der Sauna


Liebe Freunde, gestern ist das Furchtbare geschehen: Man hat mir einen Gutschein für einen Saunabesuch geschenkt! Für einen Saunabesuch! Ich habe den Umschlag geöffnet, den Gutschein herausgenommen und sozusagen vor dem Nichts gestanden. Es war das Schlimmste, was mir je passiert ist. "Nein!", habe ich geschrien, "nein, nein, nein!" Weil ich gehofft habe, dass dieser Gutschein irgendetwas anderes sein könnte, etwas Ess-bares vielleicht oder eine offizielle Warnung vor einem Saunabesuch, habe ich ihn von allen Seiten betrachtet, mit ihm herumgewedelt, ihn hin und her gewendet, aber er blieb, was er war: Ein Gutschein für einen Saunabesuch. Ich bin sofort ins Schwitzen gekommen.
Der Gutschein hat bei mir extreme Schweißausbrüche hervorgerufen. Ich habe noch nicht einmal einen Schritt in Richtung Sauna gemacht, schon ist mein Blutdruck in Regionen hochgeschossen, die dicht an der Grenze zum Jenseits gelegen haben. Das bloße Lesen des Wortes Sauna hat meinen Kreislauf auf äußerst gefährliche Hochtouren gebracht. Ich habe mir wieder und wieder an den Kopf greifen müssen. Mir einen Gutschein für einen Saunabesuch zu schenken, ausgerechnet mir, jemandem, dem der Anblick nackter Körper schon immer äußerstes Unbehagen bereitet hat, grenzt eindeutig an Bosheit und Missgunst. Dann kann man mir ja auch gleich einen Gutschein für eine Pilzinfektion schenken oder für eine Schlägerei oder für den Besuch eines als Staubsaugervertreter getarnten Trickbetrügers.
Ich werde nie verstehen, wieso es Orte gibt, an denen Nacktheit bestraft wird (Fußballplätze, Einkaufspassagen, Parkanlagen), und andere Orte, an denen sie ausdrücklich erwünscht ist (Sauna). Es ist ein wenig wie mit dem Morden, an einigen Orten wird man dafür bestraft (Fußballplätze, Einkaufspassagen, Parkanlagen), an anderen ist es ausdrücklich erwünscht (Krieg). Eigentlich sollte der Besuch einer Sauna ja der Gesundheit dienen, aber mich hat allein der Gedanke daran krank gemacht. Ich kann fremde nackte Menschen nun einmal nicht ertragen und apathisch dösende, vor sich hin dampfende nackte Menschen schon gar nicht. Die Menschen sehen so seltsam aus, wenn sie nichts anhaben. So nackt. Und unmodisch. Die wenigsten von ihnen gewinnen an Eleganz, wenn sie sich ausziehen. Vielleicht wäre es besser, wenn sie ein Fell hätten, mit einem Fell wäre alles nur halb so peinlich.
Ein Fell könnte Wunder wirken. Mit drei, vier Ponys beispielsweise könnte ich es in einer Sauna vermutlich aushalten. Sicher, ich würde auch schwitzen und hässlich aussehen. Aber die Ponys nicht. Sie würden neben mir auf der Holzbank sitzen, mit ihren Köpfen schaukeln und dank ihres Felles einfach einen gut gekleideten Eindruck hinterlassen. In Gesellschaft mehrerer Ponys würde ich den Gutschein einlösen. Aber nicht zusammen mit drei, vier nackten Menschen.
Ohne Kleidung ist einfach alles anders. Das intelligenteste Gesicht wird durch einen dicken, faltigen Bauch zu einem dummen Gesicht. Jedes Gespräch bekommt eine banale Wendung, wenn man nichts an hat. Ein Satz wie "Die Maxime deiner Handlungen sollte stets als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten können" wirkt im Angesicht eines offen zur Schau gestellten Gesäßes einfach nur albern. Jeder andere Satz übrigens auch. Außer: "Noch ein Aufguss gefällig?" Sagt mal, wie lange bleibt eigentlich so ein Gutschein gültig?

Euer Doktor Nuomi Häkkinen Winter