Film 160x600_content
Johann Janus' Kolumne

Johann Janus' Kolumne

Johann Janus' Kolumne

Mein Golf und mein Hufi


"750 Euro?", schockiert lege ich die Mitteldeutsche zur Seite und trinke einen empörten Schluck Kaffee. Torben zuckt mit den Schultern.

"Es ist ein Golfclub, was erwartest du?" Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, was ich erwarten sollte, da ich mich mit Golfclubs ungefähr so gut auskenne wie mit der außenpolitischen Position Tadschikistans.
Doch irgendwie ist die Stadt ja auf die verrückte Idee gekommen, das Hufeisenseegelände an einen Golf-Investor zu verkaufen, was ihr eine gute Million einbringt. Im Gegenzug darf sie immerhin vier Millionen in neue Wege und anderen Unsinn investieren. Chancen muss man ergreifen!
Da ich trotzdem am Hufi chillen will, muss ich dann wohl Mitglied im Golf-Club werden. Das kostet ja nur 750 Euro im Jahr.
"Man kann sicher trotzdem noch an öffentlichen Badeplätzen schwimmen gehen", versucht Torben mich zu beruhigen, aber da ist nichts mehr zu retten.
"Willst du mit zweihunderttausend Hallensern an zwei Badeplätzchen zusammengepfercht baden? Nee, nee."
Entschlussfreudig knalle ich meine Kaffeetasse auf den Glastisch, die Bedienung des Roten Horizonts starrt mich vorwurfsvoll an. "Schnapp dir Polo-Shirt und Burberry-Schal, wir sparen uns jetzt 750 Euro."
In Rich-Kid-Wirtschaftswissenschaftler-Aufmachung fahren wir in Torbens Golf zum Hufeisensee, wo uns klirrende Kälte und karge Bäume empfangen. "Das ist also dieses einmalige Naturbiotop. Lächerlich", schnaube ich snobistisch und hole meine Golftasche aus dem Kofferraum.
Torben zieht eine stilechte Schirmmütze auf und wir stolzieren zwischen Gräsern und Hasenkot, auf der Suche nach einem Maulwurfshügel. "Schön, endlich den Pöbel zurückgelassen zu haben", sagt er und hebt die Nase.
"Durchaus, mein Bester", bestätige ich und lege den Ball auf den gefundenen Hügel. Ich verfehle ihn viermal, bitte Torben um das 4er-Eisen und befördere den Ball zielgenau in den Hufeisensee. "Das war natürlich geplant."
Torbens Skills sind deutlich besser oberschichtsgeeignet und ich prophezeie ihm eine fabelhafte Zukunft inklusive Einheiraten in die Familie eines Dax-Unternehmers. Er pult den Ball aus einem unscheinbaren Erdloch, steckt ihn in die Tasche und setzt sich auf einen Stein am Ufer. "Ja, aber dann muss ich mich mit furchtbar wichtigen Leuten über Aktienkurse unterhalten", seufzt er und setzt die Schirmmütze ab, "und in langweilig immergrünen Golfparks Spaß vortäuschen ..."
Ich setze mich neben ihn und wir genießen die Stille des winterlichen Sees, solange es sie noch gibt. Ganz ohne Jahresbeitrag, hochnäsigem Golfclub und offiziellen Badestränden. Wenn es nach mir geht, kann sich die Stadt gerne die drei Millionen sparen.


Wort: Jesko Habert / Bild: Sabine Kirchner