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Dr. Winters Kolumne

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Das Geständnis


Liebe Freunde, ich hoffe, Euch mit dem, was Ihr im Folgenden lesen werdet, nicht zu schockieren, aber ich muss Euch ein Geständnis machen, ein unangenehmes, an die Grenzen des guten Geschmackes gehendes Geständnis. Im Grunde rede ich auch nicht gern darüber, es ist mir peinlich wie sonst was, aber irgendwann muss es ja mal raus. Also passt auf: Ich stehe auf Tabletten! Das hättet Ihr nicht gedacht, oder? Aber es ist so. Tabletten sind mein ein und alles, wenn mir jemand eine Freude machen will, dann soll er mir Tabletten kaufen. Egal wofür oder wogegen, ich mag sie alle.
Mit der Erfindung der Tablette ist mir seinerzeit ein riesiger Dienst erwiesen worden! Ihre kompakte Form, ihre exquisite Konsistenz, ihr unnachahmlicher Geschmack, jede Komponente dieser bis ins kleinste Detail durchgestylten Gesundheitsgranaten reißt mich zu Beifallsstürmen hin! Sie sind so hübsch! Und dann noch ihre fantasievollen Namen! Nasonex! Belok Zok! Chloramphenicol! Aknefug! Ich möchte wissen, wessen Fantasie diese genialen Wortschöpfungen nicht beflügelt!
Tabletten sind einfach das Größte! Eine Welt ohne Tabletten ist für mich nicht vorstellbar. Wie oft sitze ich vor meinem Medizinschrank und meditiere über die verblüffenden Wirkungen der unzähligen übereinander gestapelten Präparate! Denn nicht zuletzt dienen sie ja auch noch meinem physischen und psychischen Wohlbefinden! Zum Beispiel jetzt, in diesen immer kühler und frostiger werdenden Tagen nehme ich täglich fünf Tabletten gegen das Frieren mit einem Glas heißem Wasser ein. Es ist ein Genuss! Obwohl, wie ich zugeben muss, die Tabletten keinerlei Wirkung zeigen, tut mir das Glas mit heißem Wasser sehr gut. Und die Tabletten dienen allein vom visuellen Standpunkt aus einer optimalen Erwärmung meines Gemütes! Ich sehe sie so gern!
Meine absoluten Favoriten unter den Tabletten sind übrigens die Kopfschmerztabletten. Kopfschmerztabletten nehme ich, weil sie mir wirklich schmecken. Da brauche ich keine Schmerzen dazu! Woher denn! Kopfschmerztabletten zerbeiße ich auch und behalte sie so lange im Mund, bis meine Schleimhäute taub werden. Das dröhnt vielleicht! Einfach riesig, sage ich nur! Kopfschmerztabletten habe ich immer ein paar dabei, für den Appetit zwischendurch, den kleinen Hunger sozusagen, hin und wieder trinke ich noch eine Tasse Erkältungsbad zur Ergänzung dazu. Und es ist jedes Mal ein Fest!
Tabletten gibt es glücklicherweise für alle Gelegenheiten. Für schöne Fingernägel, geschmeidiges Haar, für einen glatteren Teint, es gibt Tabletten zum Muskelaufbau und zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, es gibt Schlaftabletten und Aufputschmittel, Tabletten zur Aufhellung der Stimmungslage und zum Herunterkommen bei Überreizung, es gibt Tabletten gegen Hormonschwankungen und gegen Irrsinn, Tabletten gegen Übergewicht und Tabletten zum Appetitanregen, die Liste ist endlos. Sagt selber, ist das nicht wunderbar?
Ich nehme sie übrigens alle. Wenn ich sie gleichzeitig nehme, muss ich natürlich noch eine Tablette gegen das gleichzeitige Einnehmen der anderen Tabletten nehmen. Warum auch nicht? Das mache ich doch gern. Jede genommene Tablette ist ein Stück Lebensqualität! So sehe ich das jedenfalls. Die Zeiten haben sich halt geändert. Früher wurde einem bei starkem Husten noch vom Arzt geraten, es doch einmal mit dem Rauchen zu probieren. Heute gibt es Tabletten. Sie machen die Welt schöner, schmerzfreier und uns dicker, dünner, schneller, glücklicher. Ich muss es sagen, wie es ist: Ich liebe sie! Habt Ihr was gemerkt? Das kam jetzt wirklich von Herzen! Aber dagegen gibt es ja sicher auch was! Bis zum nächsten Mal
Euer Doktor Chlorox Kid Winter