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BLITZ-10-2016-LEIPZIG

6 Magazin Und wenn wir schon bei großen Zah- len sind: In diesem Jahr ist des Landes lässigster Liedermacher 60 geworden. Das bleibt gänzlich ohne Auswirkung auf Spielfreude und Beißlust, aber führt unseindrucksvollvorAugen,wielange uns das lose Lästermaul mit Banjo & Klampfe nun schon begleitet. In den Achtzigern hat er sich im Ruhr- gebiet allmählich zum Pott-Barden hoch gekämpft, einfach jede Laden- passage bespielt. Ab 1990 nahm der Zug Fahrt auf. Das Album "A'schklar" enthielt Hits wie "Ärger" oder "Aus dem Beton". Lieder, die das Leben jenen Mehrheiten schreibt, die sich während seiner Dauer niemals Ge- danken über den Einkommensteuer- höchstsatzmachenmüssen.1993ging er mit "Happy End im La-La-Land" erst- malig in die Album-Charts, seine bitter- böse Yuppie-Abwatsche "Dumpf- backe" wurde zum Sing-A-Long in den Kiezkneipen. Auf dem Album ist auch "Wetterprophet" enthalten, eines der schönsten Stücke, die je über das Nach-Wende-Lebensgefühl vieler Ossis geschrieben wurde. Sehr poetisch verpackt, die Botschaft ist kaum zu begreifen - nur zu erfühlen. Deshalb funktioniert das Lied bis heute vor allem im Osten. Irgendwann kam prompt die Einla- dung, auf Schalke in der Halbzeit zu spielen. Klar, Stoppok spricht die Sprache der "einfachen Leute". Aber nee, soweit geht die Volksverbunden- heit denn doch nicht. Es stehen genug Leute in dieser Gesellschaft Schlange, sich irgendwo zum Pausenclown ma- chen zu lassen. Stoppok nicht. Er hätte zu dieser Zeit mit dem Major-Deal im Rücken die dicke Marie machen kön- nen. Stattdessen schmiss er die Jungs raus und gründete selber ein Label: Der sturköpfige Selbstbestimmer bäckt kleineBrötchen,dafüreigene.Unddie sind genau deshalb bis heute noch un- geheuer knackig: Jedes Album trägt Hits für das große Best of am Schluss. So findet sich auf "w.e.l.l.n.e.s.s." von 2002 das wunderbare "Tanz (Beweg deinHerzzumHirn)",dasheutefürdie beschwingtesten Momente in den Konzerten sorgt. Und auf dem vorletz- ten Werk "Popschutz" hat er mit "La Kompostella" eine wunderbar lakoni- scheZustandsbeschreibungdieser Ge- sellschaft nebst bitterbösem Unhappy End geliefert, die so eingängig rüber- kommt, dass die Fans das Stück nach drei Wochen YouTube-Präsenz schon bei den ersten Konzerten der Album-Tour säleweise geschlossen mitsangen, was dem alten Hasen auf der Bühne dann gelegentlich unvor- teilhaft den Unterkiefer runterklappen ließ. Es bleibt also alles spannend! www.stoppok.de WORT: FRODO WAWRZYNIAK BILD: ROBERT GRISCHEK Konzerttermin: 15.11. Leipzig, Werk 2 Stoppok mit neuem Album Lieber eigene Brötchen "Operation 17" wird sein neues Opus heißen, was bedeutet, dass der Meister - Stefan Stoppok - im Herbst den Anhängern sein 17. Album vorstellen wird. BLITZ! Das klingt im ersten Moment ein- fach gesagt, dahinter steckt jedoch eine Menge Arbeit. Laura Hertel er- zählte uns, wie es wirklich ist, als Maßschneiderin zu arbeiten. Wenn man das Ladenatelier "Schleifen- fänger" in der Kochstraße 25 be- tritt, fühlt es sich an wie ein wahr ge- wordener Mädchentraum. So weit das Auge reicht, entdeckt man Brautkleider mit Spitze. Sofort wird einem klar: Hier steckt jemand mit viel Kreativität und Liebe zum Detail dahinter. Laura Hertel ist diese Per- son im Brautmodengeschäft, wel- ches 2015 eröffnet wurde. Die Leipzigerin erfüllte somit nicht nur sich einen Traum, sondern auch den vieler anderer. Mit vintage-in- spirierten Kleidern erfreut sie Bräute von Bayern bis nach Ostfriesland. Ihre Kundinnen haben die Qual der Wahl - ein Brautkleid aus der aktu- ellen Kollektion oder doch eine in- dividuelle Anfertigung? Dabei sollte man sich jedoch früh entscheiden, denn die Fertigstellung kann bis zu sechs Monate dauern. Als Dank für die Geduld bekommt man ein indi- viduelles Brautkleid. Ihr eigenes Hochzeitskleid fertigte sich die ge- lernte Maßschneiderin selber an. Als Inspirationsquelle diente das Brautkleid ihrer Oma. Ihre Leidenschaft für selbstgenähte Kleidung begann jedoch schon im zarten Alter von 14 Jahren. Schnell war Laura Hertel klar: Diese Lei- denschaft möchte ich zu meinem Beruf machen. Es folgte nicht nur eine Lehre zur Maßschneiderin in Leipzig, sondern auch ein Modede- sign-Studium an der Westsächsi- schen Hochschule Zwickau. Das Thema ihrer Abschlussarbeit? Ganz klar: "Trau(m)kleid". Aber muss es denn immer das klassische Weiße sein? Nicht unbedingt, denn in Laura Hertels Kleidern findet man nicht nur weiße Spitze, sondern auch helle Farben. Klassiker zeit- gemäß zu interpretieren, dieser Auf- gabe widmet sich die Modedesi- gnerin. Und die zum Kleid pas- sende Krawatte fertigt sie auf An- frage auch noch gerne an. Bei wem jetzt der Wunsch nach dem Selbernähen geweckt wurde, hat Glück. Denn Laura Hertel ist nicht nur Schneiderin, sondern auch Autorin von drei Nähbüchern. Außerdem gibt die Leipzigerin er- folgreich Unterricht zum Thema "Fri- scher Wind im Kleiderschrank" an der Volkshochschule. Ihr Tipp für Menschen, die erst mit dem Nähen anfangen: Auf gar keinen Fall vor Fehlern scheuen, mutig sein und sich ausprobieren. Und so verlasse ich das Ladenatelier in der Südvor- stadt mit den Worten: "Wir sehen uns! Spätestens, wenn ich heirate." www.schleifenfaenger.de WORT UND BILD: MARLENE BREYMANN Laura Hertel Träume selbstgeschneidert Was um Himmels willen macht man, wenn man das Brautkleid seiner Träume einfach nicht finden kann? Man schneidert es selbst!

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