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BLITZ-10-2016-HALLE

BLITZ! 4 Satire Ute Lemper in der Händelhalle Konzert wie Kino Was Ute Lemper macht, ist Kunst, mehr als nur Leidenschaft und Talent. Das ist gewollt, und mit diesem Willen hat es die Wahl-New-Yorkerin zur Musical- und Chanson-Sängerin von Weltrang gebracht. Auch ihr aktuelles Bühnen- programm "9 Secrets", welches sie am 6. November in der Händelhalle präsentiert, ist ein in Perfektion geborenes Konzert. "9 Secrets" ist gleichsam ihr aktuelles Album mit neun weltmusikalischen Themen, die auf Texten von Paulo Coelhos Buch "Die Schriften von Accra" beruhen. Dabei war der brasilianische Bestsellerautor nicht nur Inspiration, sondern unterstützte die Sängerin enthusiastisch dabei, aus seinen Wörtern eine poetische Symphonie zu komponieren. Entstanden sind Klanggemälde, die im Konzert auch op- tisch für Gänsehaut sorgen, denn kein Geringerer als Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff und der Zeitrafferspezialist Christoph Malin wurden ver- pflichtet, um aus diesem Konzert zusätzlich großes Kino zu machen. WORT: THOMAS LEIBE / BILD: R. KRUSE Ausstellung im Hauptbahnhof Von der Straße Zur Identität von Fliesegrimm wurde und wird viel gerätselt. Ist er eine Künstlerin, ist sie ein Künstler oder sind sie gar ein Plural? Die bemalten Fliesen mit den Nummerngirls und eine zweite Serie mit berühmten Literaten zieren jetzt auch die Galerie in der Bastian Bahnhofslounge. Ulrike Fanghänel und Peru John haben die Ausstellung konzipiert und zeigen neben 13 großformatigen Fotos acht Fliesenreproduktionen. Und da es in Halle noch mehr Street-Art gibt, haben sich die Kuratoren entschieden, ihre Schau um die Kreativität jener Ak- tivisten zu erweitern, die im Stadtgebiet Verkehrsschilder zu kleinen Kunst- werken "verunstalteten" und dabei viele Nachahmer fanden - die Stadt ging im Juli von rund 200 verfremdeten Verkehrsschildern aus. Der dritte Teil be- fasst sich allgemein mit dem Phänomen der hallischen Straßenkunst, von Korkmännchen über Ampelpullover bis hin zur Freiraumgalerie. Bis Jahres- ende sind die gut 70 Bilder und Fliesen zu sehen. WORT: THOMAS LEIBE / BILD: PERU JOHN Johann Janus' Kolumne Rückkehr auf den Planeten Der Mittelpunkt des Universums ist noch immer ganz schön weit weg. Glaub ich. Weiß ja nicht genau, wo er ist. Dabei habe ich mich seit August durch meh- rere Millionen Planeten gearbeitet, mein Raumschiff legt inzwischen mehrere hundert Lichtjahre pro Sekunde zurück und die verfluchten Drohnen der inter- galaktischen Polizei lassen mich auch endlich in Ruhe, seit ich ein paar Beste- chungsgelder habe fließen lassen. In meiner eisgekühlten Badewanne ist es in- zwischen doch ein bisschen kalt geworden, und ich habe mich mit meinem LaptopwiederaufdieCouchzurückgezogen,irgendwannimSeptember.Habe ich schon erwähnt, dass "No Man's Sky" mindestens 18 Trillionen Welten hat? Die Tür geht plötzlich auf und Torben starrt mich schockiert an. "Was zur Hölle istdennmitdirpassiert?"MiterschrockenemWieselblickguckeichauf."Woher hast du meinen Schlüssel?" "Ich hab den Schlüsseldienst kommen lassen, nach- dem du dich seit mehreren Wochen auf keine Anrufe mehr gemeldet hast." "Ach,dasistalsogarnichtIhreWohnung?",sagtderMannvomSchlüsseldienst hinter ihm und Torben wedelt ihn wie eine nervige Fliege weg. "Natürlich nicht. Sehe ich aus, als würde ich in dem Loch hier wohnen wollen?" "Hamse recht", murmelt der Schlüsselmann und ich bemühe mich nicht mal zu einer vor- getäuschten Empörung, während mein Raumschiff einen von Monolithen über- säten Wüstenplaneten verlässt. Torben gibt dem Schlüsseldienst sein Geld und balanciert dann vorsichtig über die Pizzakartons auf meinem Wohnzimmerbo- den zur Couch. Er guckt mich kopfschüttelnd an und klappt ohne Vorwarnung meinen Laptop zu. "Ey! Ich war gerade dabei, einen wichtigen Handelsdeal abzuschließen!", heule ich auf, aber Torben hat längst den Laptop aus meinen geschwächten Ärmchen gerissen und in seinen Rucksack gesteckt. "Ist mir völlig egal, wie viele Handelsdeals du noch abschließen musst und welche Welten du noch erkun- denwolltest.Ichdachte,duspielstseitdeinemAbikeineComputerspielemehr?" "Ja,weildieimmersosüchtigmachen."TorbenschnaubtundspartsicheineAnt- wort. "Aber das hier ist anders, das ist voll spannend zum Entdecken! So auf in- tellektuellerEbeneauch!",versucheichzuerklären,abereristoffensichtlichnicht für die Feinheiten des intelligenten Spiels zu haben. Er hat ja auch immer nur "Mario Kart" gezockt. "Okay", lässt er sich schließlich auf meine Argumentation ein, "ich geb dir was zu entdecken." Er holt zwei Bahntickets und einen Reiseführer aus der Tasche und drückt sie mir in die Hand. "In zwei Wochen fährst du an die spanische Grenze. Die Rückfahrt ist sechs Wochen später von Santiago de Compostela. Such dir deine eigenen Ressourcen auf dem Weg, weil dein Bankkonto inzwi- schenauchziemlichleerseindürfte.Undnein,dudarfstdeinenLaptopnichtmit- nehmen." "Aber ich kann nicht einfach sechs Wochen auf der Arbeit fehlen", wende ich ein,währendTorbeneinegroßeMülltüteausderTascheziehtundanfängt,den Müll in meinem Wohnzimmer einzusammeln. "Du wurdest vor einem halben Monat gefeuert, nachdem du nicht mehr aufgetaucht bist", sagt Torben, der of- fenbarmeineungeöffnetePostbesserkenntalsich."Jetzthilfmiraufräumenund dann geh schon mal wandern üben. Ich habe einen Durchschnitt von 20 Kilo- metern pro Tag kalkuliert." WORT: JESKO HABERT / BILD: SABINE KIRCHNER

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