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BLITZ-10-2016-DRESDEN

6 Magazin Farben und Klänge aller Art treffen aufeinander in den Räumen der Künstlervereinigung Blaue Fabrik e.V., seit Herbst haben im Areal des Alten Leipziger Bahnhofs an der Ei- senbahnstraße 1 zwölf Künstler des Vereins ihre Ateliers. Ein Raum steht für Gastkünstler offen. Außerdem nut- zen fast 50 Musiker im Haus Proben- räume, die inzwischen knapp und teuer sind in Dresden. Sie unterrichten und laden ein zu Sessions. Gerade sind im Hintergrund dezent Klavier- musik und danach Klarinettentöne zu hören von Tatjana Davis, einer jun- gen Musikerin. "Meist klingt es schön und manchmal auch schräg, wenn mehrere proben und Jazz-Saxofon und Flamenco- Klänge aus dem Tanzstudio sich mi- schen",erzähltHolgerKnaakschmun- zelnd. Der Historiker und Musikwis- senschaftler ist seit 2008 in der BlauenFabrikdabeiundkümmertsich seit 2011 als Geschäftsführer um das Programm und die Finanzen für die Kunstprojekte. Vieles wurde ehren- amtlich hergerichtet in diesem ersten neuen, ganzjährig betriebenen Kul- turraum seit längerem. "Wir hoffen, dass die Projektförderung seitens der StadtfürdenVereinderBlauenFabrik auch nächstes Jahr ohne Kürzungen weitergeht", so Knaak. Der lichtdurchflutete Kunstraum mit Deckenfenster, erhaltenem Mosaik- boden und gläsernem Empfangs- schalter mit Garderobe ist auch immer in Bewegung wie früher die Reisenden in dem einstigen Bahn- hofsgebäude. Mit jeder Ausstellung verändere sich der Raum und ent- stehe zwischen den Bildenden Kün- sten und der Musik ein spannender Dialog, sagt Knaak. Auf zwei Etagen hängen an den roh- putzbelassenen Wänden die Bilder, imFoyerstehteinKlavier."DerAnfang war sehr erfreulich. Die erste Ausstel- lung und die Konzerte im Garten sind gut besucht und ermutigen." Jeden zweiten Donnerstag finden ab 21 Uhr Jazz-Sessions eintrittfrei und andere Musikveranstaltungen statt. Für näch- stes Jahr ist zudem eine Kammermusik- Reihe mit Klassik-Raritäten geplant. Der Lichthof eignet sich neben Kunst- projekten für Tanzkurse und Work- shops. Hier gibt es Ende November auch eine Podiumsdiskussion "Zur Zu- kunft des Alten Leipziger Bahnhofs- geländes". Derzeit zeigen unter dem Titel "Berührungen" zwei tschechische Fotokünstler ihre Arbeiten. Im Novem- ber stellen Künstler aus St. Petersburg aus.StattderwildenGraffiti indenSa- nitärräumen bietet Knaak Sprühkünst- lern ganz legal eine Ausstellung an: "Das wäre mal ein cooles Projekt, wo sie einen ganzen Raum gestalten könnten." www.blauefabrik.de WORT: LILLI VOSTRY BILD: TOBIAS KADE Blaue Fabrik Spannender Dialog Es grünt so blau im neuen Zuhause der Blauen Fabrik in der Günen Villa mit Malerei und Musik unter einem Dach. Wir waren vor Ort. BLITZ! ... von Richard Strauss nach dem Theaterstück von Oscar Wilde, inspi- riert von Überlieferungen des Neuen Testaments, in das Kinderzimmer der Prinzessin Salome. Hier flüchtet das durch Übergriffe seines Stiefvaters Herodes traumatisierte Kind in sur- reale Traumwelten, in denen Puppen und der geliebte Teddybär das Lau- fen lernen. Dieser Angst- und Flucht- raum hat einen doppelten Boden. Darunter fristet der von Herodes ge- fürchtete und bewunderte Prophet Jochanaan sein Dasein, den Salo- mes Mutter Herodias hasst, denn er wird nicht müde, deren Heirat ihres Schwagers als Blutschande zu brandmarken. Salome hört seine Stimme. Stimmen können Wunder wirken. Das Kind will den Verborgenen sehen, den Markus Marquardt mit der Verbohrt- heit eines Oppositionspolitikers und Rufers in der Wüste singt und spielt. Für Salome ein Objekt der Begierde. Sie will ihn küssen. Er will sie bekeh- ren. Sie will Rache, die Gelegenheit bekommt sie. Sie soll, als wäre das ein alltägliches Ritual, für Herodes tanzen und könne sich wünschen, was sie will, das schwört der von Lance Ryan überzeugend darge- stellte Lustmolch. Es folgt der Tanz, bei dem die sieben Schleier fallen. Salome lässt tanzen, es fallen einige Hüllen. Nach dem Geschmack kleinbürgerlicher Spießer wackeln sechs Burlesque- Tänzerinnen mit Oberweiten und Hinterteilen. Salome hat nur Jochanaan in Blick. Sie setzt dem Gehüpfe ein Ende, deutet mit ein paar Schritten das Finale des Tanzes an und fordert den Kopf des Jochanaan. Sie bekommt ihn, ver- packt als Geschenk. Weil die amerikanische Sopranistin Jennifer Holloway eine so überzeu- gende Darstellerin ist und diesem be- dauernswerten Kind Töne gibt, die zutiefst berührend sind, gestaltet sich der große Schlussgesang zum Höhe- punkt der Aufführung. Das Kind küsst die Lippen des Toten. Der Ge- schmack ist bitter. Noch einmal lässt die Sängerin ihre Stimme sinnlich aufschwingen. Große Emotion im Abschlussbild, der Kopf des Toten liegt im Kinder- bett, als schliefe er friedlich. Salome an seiner Seite, daneben der Teddy- bär. Dieses Kind passt nicht in diese Welt. Herodes hat das Schlusswort: Man töte dieses Weib. Wenn sich Dirigent Omer Meir Wel- ber mit seinen akustischen Vorstel- lungen noch besser auf die Sänge- rinnen und Sänger einstellt, hätte Dresden wieder eine "Salome" im Repertoire, über die man streiten kann, vergessen kann man sie nicht so schnell. WORT: BORIS GRUHL BILD: MONIKA FORSTER Salome an der Semperoper Tatort Kinderzimmer Burlesk und grotesk sollte es sein. Gegenwärtig auch. Regisseur Michael Schulz verlegt im Bühnenbild von Dirk Becker die 1905 in Dresden uraufgeführte Oper "Salome" ...

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