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BLITZ-10-2016-DRESDEN

BLITZ! Johannes Kirchberg Um ein Haar Skispringer Johannes Kirchberg ist Sachse und an der Elbe zu Hause. Geboren wurde er in Leipzig, aufgewachsen ist er im Vogtland, wo er um ein Haar Skispringer geworden wäre. Dann folgte erneut Leipzig und vor zehn Jahren der Umzug nach Hamburg - wegen der Liebe. "Wieder zum Meer" hieß scheinbar pro- grammatisch im Jahr 2000 seine erste CD. Damals füllte er Szenelokale der Messestadt mit unzähligen melancholischen jungen Menschen. Mittlerweile wirkt der Sänger und Musiker weniger schwermütig, beinahe leichtfüßig. Er macht Chanson, Kabarett, Musiktheater, man erlebt ihn unaufdringlich charmant plaudernd am Klavier. Programme mit Witz und Sinn und Texten von Borchert, Tucholsky und Kästner hat Johannes Kirchberg parat, vor allem aber solche, die in Zusammenarbeit mit seinem guten Freund und kongenialen Mit- streiter Tom Reichel entstanden sind. Das aktuelle trägt den Titel "Wie früher, nur besser" und ist am 24. Oktober in der Herkuleskeule zu erleben. www.johannes-kirchberg.de WORT: ELC / BILD: STEPHAN KNAUER TonLagen In mystischen Sphären Bereits 1987 rief Udo Zimmermann die Dresdner Tage der zeitgenössischen Musik ins Leben, seit 2009 nennt sich sich das Festival "TonLagen" und lockt von 19. bis 29. Oktober ins Festspielhaus Hellerau. Die Genregrenzen sind fließend geworden, das musikalische Spektrum groß und die Zusammenar- beit mit anderen Künsten verspricht spannende Inszenierungen. Zur Eröffnung erklingen Werke von Bryce Dessner für E-Gitarre und Orchester, weiter geht es mit einem Konzert aus Licht, den meditativen Klängen von Nik Bärtsch's Mobile, der "Inszenierten Nacht" des Ensembles Ascolta, das mit Nacht- musiken unter anderem von Bach, Chopin und Ravel spielt, und mit vielen an- deren Konzerten. Für ein mitreißendes Finale sorgen Morphonic Lab samt Holotrop a.k.a. Toni Burner. Der versetzt mit seiner ungewöhnlichen Synthese aus Elektronik und schamanischen Instrumenten das Publikum in mystische Sphären. Das ausführliche Programm ist unter hellerau.org zu finden, dort können auch Karten gekauft werden. WORT: ANNE JUNG / BILD: P.D. 4 Satire Vorsicht, Thiel! Erzähl nicht so einen Mist! "Erzähl nicht so einen Mist! Überlege mal, was du sagst!" Das war ganz oft die genervte Reaktion meiner Mutter, wenn ich als Kind mit meinem uner- schöpflichen Halbwissen krude Theorien voller Überzeugung herauspo- saunte. Das hatte eine bis heute anhaltende psychische Störung zur Folge, die mich immer wieder zwingt, mal zu überlegen, ob ich nicht gerade Mist erzähle. Manchmal entstehen daraus regelrechte Ängste. Wenn ich zum Beispiel auf der Bühne stehe und etwas moderiere, worüber ich nur durch Recherche Kenntnisse erlangt habe, während im Publikum die wirklich Wis- senden sitzen. Das ist ein Problem! Ich habe ein paar Mal die Wahl zur säch- sischen Weinkönigin moderieren dürfen und war definitiv der Einzige im Saal, der von Wein, außer dem Trinken des solchen, fast keine Ahnung hatte. Ich behauptete allerdings auch nie, dass es anders sei und erhielt damit zumindest einen Mitleidsbonus. Auch jetzt sitze ich gerade über der Vorbereitung einer Moderation zu einer Veranstaltung mit Schlagergrößen, von denen ich zwar schon mal gehört hatte, aber von denen ich bisher nichts gehört habe. Das macht den Hinweis auf das aktuelle Album nicht leichter! Allerdings muss ich da durch und trotz- dem meinen Job machen, was heißt, ich versuche, so viele Infos wie mög- lich zu bekommen und mich mit Fakten fit zu machen. Wenn das nicht geht, kommt meine psychische Störung zum Einsatz, sprich: Wovon ich nichts weiß, davon rede ich auch nicht! Selbst wer mich auf der Bühne scheiße fin- det, soll zumindest nicht behaupten können, ich hätte Mist erzählt. Über Ge- schmack kann man streiten, über Fakten nicht. Das alles nur, weil ich als Kind diesen Knacks bekommen hatte. Warum erzähle ich davon? Weil ich immer mehr das Gefühl habe, zu einer aussterbenden Spezies zu gehören, die sich noch darüber Gedanken macht, ob das, was sie sagt, stimmt, falsch ist oder sogar dem Bereich der Strunzdummheit zugeordnet werden muss. Dazu kommt ein schier grenzen- loses Selbstbewusstsein bei manchen, die dummes Zeug erzählen, so dass andere Unwissende nur auf Grund dieses Auftretens das strunzdumme Zeug glauben, um es dann ebenso mit überzeugender Inbrunst weiterzutragen. Die Tatsache, dass dadurch ganz viele Unwissende unschlaues Zeug er- zählen, ändert allerdings nichts an der Dummheit der Aussage. Demokratie heißt ja nicht, potenzierte Dummheit wird zur Wahrheit, nur weil sie über- wiegt. Überaus gespannt schauen wir gerade in die USA, wo sich ein Trampel mit einem Kühlschrank um das Präsidentenamt streitet. Ganz viele der Unwis- senden hierzulande können dabei gar nicht glauben, dass man so einen In- telligenzignoranten wie Donald Trump erwägen kann, zu wählen. Und doch ist dieser Trampel nichts weiter als das amerikanische Modell dessen, was hier auch gerade stattfindet. Da wird mit einfachen Worten einfach darge- stellt, was eigentlich kompliziert ist. Und obwohl man manchmal auf Grund dieser Schlichtheit nur mit dem Kopf schütteln kann, wird die Zahl derer, die den scheinbar logischen Argumenten folgen, immer größer. Ob dabei ob- jektive Wahrheiten, Fakten oder Argumente fehlen, interessiert nicht wirklich, weil das die Sache nur verkompliziert. Vielleicht würde es schon genügen, wenn die jemand ermahnt: "Überlege mal, was du da sagst!" S isso! Treffen uns beim Psycho, ciao, Euer Mario Thiels Treffen - Dresdens Promitalk: 01.12. Putjatinhaus, Gast: Anja Koebel (MDR)

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