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BLITZ-10-2016-DRESDEN

12 Musik BLITZ! Albert Hammond In Symphony Stilbruch Nimm mich mit Seit mehr als 15 Jahren schon ist Se- bastian Maul (aus Leipzig, derzeit Student an der Dresdner Musikhoch- schule) mit seiner Band unterwegs. Er schreibt im Wesentlichen die Songs, singt eigene Texte und sorgt mit sei- nem Cello für den ganz eigenen Stil- bruch-Groove. Die Songs der neuen CD sind zwar mit einem elektroni- schen Bass und vielfältiger Streicher- begleitung aufgenommen, aber sie lassen sich ohne Abstriche in der un- verwechselbaren Dreierbesetzung dieser Band mit Cello, Violine, Schlagzeug umsetzen. Das geht auch wunderbar ohne Bühne und Verstärker: Stilbruch haben schon unzählige Fußgängerzonen verzau- bert, sich durch halb Europa musi- ziert. Die Fanschar wuchs stetig: Für das zweite Album haben sie 35.690 Euro über Crowdfunding eingesam- melt - es gibt viele, die fest an diese Band glauben. Ihre Musik kommt, der Instrumentierung geschuldet, über weite Strecken filigran, manch- mal durchaus sanft, immer freundlich- beschwingt daher. Sie können große Melodiebögen ganz ohne Poserei mit beseeltem Pathos unterfüttern - aber auch einfach mal so richtig die Sau rauslassen. In den deutschen Texten gibt es gewitzte Doppelbö- digkeiten: "Du lebst in mir" ist schein- bar ein Liebeslied an die Angebetete (oder, wer möchte, den gleichge- schlechtlichen Partner). Kundige er- kennen anhand von Textphrasen je- doch rasch, dass die Treueschwüre vielmehr dem Ton-Steine-Scherben- Sänger und "König von Deutsch- land" Rio Reiser (R.I.P.) gelten. Das bitterbös-sarkastische "Auf Deutsch- land" kommt als luftig-leichter Wal- zer im Dreivierteltakt, der Text über die neuen Demagogen und die (an- geblich guten) alten Zeiten unter- drückt freilich jede Lust auf Tanzen. Wir brauchen mehr von diesen un- beirrbaren musikalischen Philanthro- pen. FRODO WAWRZYNIAK Unglaublich, was für eine breite Spur dieser Mann in der Pop-Ge- schichte hinterlassen hat. Das wissen aber nicht viele, denn die meisten unsterblichen Melodien aus seiner Feder wurde durch andere Stimmen bekannt. Es ist nur gerecht, wenn Al- bert Hammond jetzt - er ist jetzt An- fang 70 - seine großen Hits mal sel- ber singt und damit mühelos ein Pro- gramm zusammenkriegt, in dem sich ausschließlich Evergreens reihen. Ein Dutzend davon hat er jetzt in London neu aufgenommen und dabei mit satten Streichern unterlegt. Die alten Spuren wurden nicht ein- fach am Rechner neu aufgepeppt, sondern wirklich neu aufgenommen: Das ist des Meisters Stimme, wie sie heute klingt. Er ist nicht mehr der jüngste, aber wo es an Kraft fehlt, gleicht er mit altersweisem Timbre aus. Er hat sogar die Chuzpe, sein "One Moment In Time" zu schmet- tern, das die Leute eigentlich mit der enormen Sirene von Whitney Hou- ston verbinden. Durch die breiten Streicher wirkt alles ein bissel aufge- schäumt wie Zuckerwatte. Manch- mal kleistert das die Songs zu, bei "I'm A Train" etwa. Zu seinem größ- ten Hit mit eigener Stimme, "It Never Rains in Southern California" (1972), passen die Geigen aber gut, geradezu prädestiniert sind sie für die wunderbare Ballade "When I Need You", die der englisch-aus- tralische Sänger Leo Sayer 1977 zu einem Welthit machte. Opulenter Schlusspunkt ist ein Lied, in das sich die dicke Auspolsterung ideal fügt, weil es schon in der Interpretation der Hollies ein veritabler Schmacht- fetzen war: "The Air That I Breath". Süß schwelgen die Geigen, es darf wohlig geseufzt werden. Für die Deutschland-Tour zum Album wird Hammond übrigens das Leipziger Symphonieorchester mitnehmen - auf der Bühne ist er tatsächlich noch immer fit wie ein Turnschuh! FW Schwarzkaffee Hands Up! Von Wegen Lisbeth Grande mein favorit Vorband von Annenmaykantereit, Element of Crime und der Geheimtipp auf jedem Festival. Von Wegen Lisbeth überzeugen mit Indie-Pop vom Feinsten. Selbst der Albumname der fünf Jungs ist Programm. "Grande" liefert mit 14 Songs die perfekte Mischung aus funkigen Beats, tanzbaren Rhythmen und aussagekräftigen Texten. Letzteres beweist der Song "Sushi", in dem die Ge- schichte von Lina auf die Schippe genommen wird. Sie teilt ihr ach so schö- nes Leben stündlich mit Facebook, Essen-Posten inbegriffen. Aber seien wir mal ehrlich, wer kennt solch eine Lina nicht? Von Wegen Lisbeth sprechen einem einfach aus der Seele, wenn sie über alltägliche Dinge philosophie- ren. Noch dazu wandeln sich die Lieder zu echten Ohrwürmern, so zum Bei- spiel "Meine Kneipe" oder "Bitch". Die Musik der jungen Berliner ist einfach anders, vielseitig und ganz weit entfernt von all dem Einheitsbrei. Wer die Jungs dieses Jahr verpasst hat, muss nicht traurig sein, denn im Februar 2017 kommen sie wieder - nach Chemnitz, Jena und Halle. MARLENE BREYMANN, BLOGGERIN, BAD BRAMBACH In Leipzig hat's wieder ganz mächtig gefunkt: In satter Oldschool-Manier ziehen Bass-Seele Hendrik Herchen- bach, Gitarren-Licker Raschid Sidgi und die beiden Goldkehlchen Tina & Raschid ein Bermudadreieck auf, in dem ein Rudel satter Bläser und an- dere Ungeheuer lauern. Vor allem bei den Konzerten kann man sich da selig reinfallen lassen und genussvoll untergehen. Die Funkstelle sendet mächtige Energieschübe am 14. Ok- tober im Täubchenthal in Leipzig und am 10. Dezember dann in Dresdens Tonne. Erscheinen Pflicht! FW Falkenberg Unterstrichen live Der "Mann im Mond" ist auf dem Mitschnitt des Tour-Abschlusskon- zerts 2015 in Halle auf den letzten Platz gerutscht. Vorher gibt The Artist Formerly Known As IC 20 Lieder in intimer Trio-Besetzung sowie Anek- doten zum Besten. Flankiert von Cello und Violine sinniert der Pianist über Licht und Schatten, Höhen und Tiefen, das "Geliebte Leben" also, Songs voll Poesie, die mehr Chan- son als Liedermacherware sind, mit Verstand geschrieben wurden und mit Herz sowie kantigem Charme präsentiert werden. TORSTEN FUCHS

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