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BLITZ-10-2016-CHEMNITZ

6 Magazin Ob das Stück den Anforderungen eines Musicals entspricht, sei dahinge- stellt. Die Autoren haben es ohnehin als"Junk-Opera"klassifiziert.Immerhin bietet die nach Heinrich Hoffmanns "lustigem Erziehungsbuch für die Un- tertanenschmiede" (Gunnar Decker) entstandene Fassung prächtiges Futter für einen fantasiebegabten Regisseur und ein ihm begeistert folgendes En- semble. An beidem mangelt es in Chemnitz nicht. In trauter Zusammenarbeit mit seinem Bühnenbilder Stefan Morgenstern be- schwört Knödler eine an Dracula, Frankenstein und die Addams-Family erinnernde Atmosphäre herauf. Selbst das berühmte "Händchen" gibt sich die Ehre. Im gruseligen Ambiente eines Leichenackers feiern Hoffmanns Figuren fröhliche Urständ. Gemein- sam mit dem Dramaturgen René Schmidt legt der Schauspieldirektor eine Version vor, die aktuelle An- spielungen nicht ausspart, ohne dabei der Vorlage Gewalt anzutun. Dem nicht erst seit den "Monthy Pythons" berühmt-berüchtigten Humor der Bri- ten, eine intellektuelle Glanzleistung sondergleichen, wird dabei eine gran- diose Reverenz erwiesen. Für das bestens aufgelegte Ensemble steigert sich die Aufführung nach einem etwas zögerlichen Beginn zu einem umwerfenden komödiantischen Fest, das allen Beteiligten die Mög- lichkeit einräumt, ihrem Affen Zucker zu geben. Wenn dabei weder die Ak- teure noch das Publikum über Ma- genverstimmungen zu klagen brau- chen, ist dies dem Regisseur zu ver- danken, der sorgsam darauf achtete, dass keinem der Mitwirkenden die Pferde durchgingen. Hier ward nicht nur darstellerisch, sondern auch ge- sanglich überaus Glaubwürdiges ge- leistet, ein Fakt, für den Steffan Clauß- ner, dem musikalischen Leiter der Pro- duktion, Anerkennung gebührt. Denn er sorgt mit seinen drei Mitstreitern für den musikantischen Aufwind der Vor- stellung. Und wenn sich darüber hin- ausfastalleProtagonistendesAbends noch als versierte Instrumentalisten er- weisen, dann ist des Jubels kein Ende. In diesem Zusammenhang möchte ich nur den einschlägig vorbelasteten Phi- lipp von Schön-Angerer und den mit einem virtuosen Saxofon-Solo aufwar- tenden Andreas Manz-Kozár hervor- heben. Den anderen Aktiven (Magda Decker, Ulrike Euen, Marko Bullack, Michel Diercks und Dominik Förtsch) sei ein dickes Pauschallob ausgespro- chen. Falls Ihr Euch wirklich gut unter- halten möchtet, dann lege ich Euch ein Rendezvous mit dem "Struwwelpeter" ans Herz. WORT: JOACHIM WEISE BILD: DIETER WUSCHANSKI Nächste Aufführungen: 14. und 28.10., 26.11. Chemnitz, Schauspielhaus Struwwelpeter in Chemnitz Ein Fest für Mimen Zum Auftakt der Schauspielsaison hat Spartenchef Carsten Knödler den "Struwwelpeter" der Londoner Band The Tiger Lillies auf die Bühne geholt. BLITZ! Der werten Fangemeinde und all jenen, die sich dieser zugesellen wol- len, erteilt er diesmal den beherzi- genswerten Ratschlag: "Was du heute kannst entkorken, das ver- schiebe nicht auf morgen." Um die- ser Maxime zu größtmöglicher Po- pularität zu verhelfen, begibt sich der Autor erneut auf Lesereise und hat sich dabei einiges vom Theater ab- geschaut, das hie und da mit soge- nannten Voraufführungen die Lust auf neue Produktionen anheizen möchte. Nach solchen (Vor)-Lesun- gen hebt sich dann der Vorhang zur eigentlichen Premiere am 23. Okto- ber, 16 Uhr, in Jacques' Wein-Depot auf der Leipziger Straße in Chem- nitz, wo sich die geistigen Genüsse mit kulinarischen (Kartoffel-Sellerie- Süppchen, Käse und - natürlich - Wein) verquicken werden. Auch in seinem neuen, als Alltagsver- führer charakterisierten Büchlein wid- met sich Lipowski dem Thema "Väter- beratung", das er u.a. im Umfeld der Chemnitzer Zeisigwaldschänke ansie- delt, wo die Herren der Schöpfung über Gott und die Welt sinnieren und dem Boule-Spiel frönen. Die dabei ein- gestreuten, z.T. köstlichen Witze prä- sentieren sich völlig bartlos. Ich habe mich an etlichen Stellen prächtig amü- siert. Ein mit eigenen Schnappschüs- sen versehener, etwas ausufernder BeitragkostetFreudundLeidderBerg- touristen bei der Bezwingung des Špicák (ein Berg im Böhmerland) aus. Höchstaktuell der Text, in dem ein gei- stig "rechts außen" befindlicher Zeit- genosse, der im Fischgeschäft be- zeichnenderweise "Heil-Butt" erwirbt, satirisch an den Pranger gestellt wird. Demgegenüber nehmen sich die ihre "Vierbeiner" nicht anleinenden Küch- waldbesucher relativ harmlos aus. Damit konfrontierte Jogger werden diese Behauptung freilich weniger amüsant finden. Und wer sich schon einmal in dem Labyrinth eines Baumarktes verirrt hat oder der Freuden eines ausgie- bigeren Supermarkteinkaufes teil- haftig ward, attestiert den entspre- chenden Texten kaum Übertrei- bung. Mit Uwe Krumbiegel hat sich Jan Lipowski eines fantastischen Mit- streiters versichert, dessen den Witz auf den Punkt bringenden Cartoons zweifellos gehörigen Spaß beim Entkorken bereiten. Wenn Ihr auf die Cartoon-Lesungen neugierig seid, dann denkt daran: Karten können bereits jetzt im Vorver- kauf erworben werden. Verkorkstes wirdEuchaufkeinenFallserviert!Und einen Korkenzieher braucht Ihr auch nicht mitbringen. www. fotoblick.de WORT: JOACHIM WEISE/BILD: ERIK LIPOWSKI Buchpremiere: 23.10. Chemnitz, Jacques' Wein-Depot Jan Lipowskis neues Buch Unverkorkstes Verbreitete er bis vor kurzem noch "Rotweinlaune auf Weiß- weinbasis", so bleibt Jan Lipowski auch in seinem jüngsten Werk der Liebe zu geistig gehaltvolleren Getränken treu.

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