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BLITZ-2016-09-Thueringen

Magazin Das Apoldaer Schloss, begründet im 12. Jahrhundert, ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen be- liebt. Ein schöner Ort, um den Son- nenuntergang zu bestaunen. Seit ein paar Wochen lässt sich hier noch ein ganz anderes Phänomen beobach- ten. Es sind junge Menschen, die wie gebannt auf ihre Handys starren und mit wirren Begriffen wie Arena, Pixi oder Garados um sich werfen. Einge- weihte wissen jetzt, Pokémon Go! hat die Provinz erobert! Da sitzen Abend für Abend Zehn- jährige neben Mittdreißigern und tau- schen sich über ihre neuesten Fänge aus. Als Alternative zum Kino gehen Paare gemeinsam auf Monsterjagd und genießen die lauen Som- mernächte. Die nächtlichen Wande- rungen - Ziel des Spiels ist es schließ- lich, sich zu bewegen - haben Freund- schaften hervorgebracht, die sich sonst vermutlich nie entwickelt hätten. Die Jagd nach den niedlichen Fanta- sietieren ist am Ende nur ein Eisbre- cher. So bewegt man sich vom Hot- spot am Schloss durch die Bahnhof- straße zum Kunsthaus und lernt ganz nebenbei seine Stadt besser kennen. "Es ist schön, in alten Erinnerungen an Kindheitstage mit der Serie Pokémon zu schwelgen und dabei neue Leute zutreffen",sagtTom,derextraausRö- digsdorf kommt, um in Apolda auf die Jagd zu gehen. Lutz betont ebenfalls den sozialen Aspekt des Spiels. Wie ein altes Gedicht schleichen sich die Namen und Fähigkeiten der Taschen- monster aus der letzten Ecke des Kindheitsgedächtnisses zurück ins Be- wusstsein. Obschon Pokémon Go! die Trainer in drei Teams - Rot, Blau, Gelb - unterteilt, ist in Apolda keine Ri- valität zu spüren. Der Hype hat ein wenig die Puste verloren, neueste Daten sprechen von einem Einbruch der weltweiten Spielerzahlen um 25 Prozent. "Am Anfang war ich manchmal bis zu zwölf Stunden am Tag unterwegs, das ist natürlich zurückgegangen. Ich habe auch schon 120 von 151 Po- kémon gefangen. Aber Glurak und Dragoran fehlen mir noch, die hätte ich schon ganz gerne", sagt Christian, einer der stärkeren Spieler der Stadt. Es bleibt abzuwarten, welche Neue- rungen die Entwickler noch in der Hin- terhand haben. Gerüchte sprechen vom langersehnten Tauschhandel mit den putzigen Tierchen. Kritik kommt vor allem von Nichtspie- lern: "Die jungen Menschen gucken nur noch auf ihr Handy. Die unterhal- ten sich ja gar nicht. Bis mal einer vors Auto läuft." Viele Städte haben wie Apolda mit einem Müllproblem durch die Spieler zu kämpfen. Da braucht man engagierte Zocker, die ihren Freunden auch mal auf die Finger klopfen, um die schöne Kulisse am Stadtschloss sauber zu halten. WORT UND BILD: CLAUDIA SÖLLNER Pokémon in Apolda Nächtliche Wanderungen Abend für Abend tauschen sich Zehnjährige und Mitt- dreißiger über die neuesten Fänge aus. Ein Spiel führt Menschen zusammen und zu nächtlichen Wanderungen. BLITZ!

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