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BLITZ-2016-09-Leipzig

6 Magazin BLITZ!: Meine Fresse, das S.U.F.F.- Paket ist ja gewaltig und mittendrin das Abendmahl. Wie habt Ihr die ganzen Helden wieder zusammenbekommen? Abo:InderBandspielenzurZeitneun Leute. Auf dem Innencover sind dage- gen alle Leute abgebildet, die mal bei S.U.F.F. mitgemacht haben, eine Remi- niszenz an alte Zeiten und alte Freunde. Die Platte ist auf 500 Stück li- mitiert und handnummeriert. Das In- nencover stellt in der Tat das Letzte Abendmahl dar, das Frontcover ist Eu- gene Delacroix' "Die Freiheit führt das Volk" nachempfunden. Wir wollten mal ein Cover, auf dem die Leute eine Weile was zum Schauen haben, während sie die Musik hören und dar- über nachgrübeln können. Deswegen sind auch die Texte abgedruckt. Aus genannten Gründen kam eine CD für uns nicht in Frage, da ist das Cover ein- fach zu klein. Besonders froh sind wir, dass Joey Vaising Mix und Mastering übernommen hat, nachdem uns die Band Corz mit den Aufnahmen gehol- fen hat. Der Buttermaker ist mit seinen Stimmungshits "Samstag" und "Nicole" auch Part der LP geworden. BLITZ!: S.U.F.F. sind ja mittlerweile le- gendär. Was habt Ihr den Jungsprut- zen von heute noch zu sagen? Abo: Ich sage es mal so: Beim Letzten Abendmahl erfährt Jesus, dass er von einem seiner Jünger in der Runde ver- raten wird und deshalb sterben müsse. Auf unserem Foto könnte er erfahren, dass das Bier alle ist, was ja wohl noch schlimmerwäre.Denndannhättenalle ein Problem. Interpretationssache. Nie den Mut verlieren und aufgeben, das Leben geht weiter. Und nie den Spaß verlieren, obwohl es zur Zeit ganz schön düster scheint. In solchen Zeiten solltemandesöfterendasSmartphone weglegen und auf schlechte Nachrich- ten verzichten. Das macht einen nur irre. Fahrt in die Natur, das Leben ist schön! BLITZ!: Ist die Welt mit Musik besser zu machen? Abo: Nein, nur erträglicher. BLITZ!: Wie habt Ihr das Album finan- ziert? Wie funktioniert der Vertrieb? Plant Ihr Konzerte? Abo: Das Album ist auf SM-Musik er- schienen. Es gibt im Netz zwei nette Vi- deosvonunszusehen:"Chaot"undun- seren RSL-Song "99 Olé". "Chaot" wurde kultigerweise vom Kurt-Reith- Puppenensemble interpretiert. Die Re- lease-Party fand bereits im Juni im UT Connewitz mit MCE und Lunar 3 statt. Konzerttechnisch werden wir vermehrt auf Open Airs auftrumpfen. Unser Brett istlivefettergeworden,dawirmitReud- nitz einen zweiten Gitarristen in den Reihen haben - und der versteht sein Handwerk! www.suff-galaxie.de WORT UND BILD: VOLLY TANNER Abo Alsleben von S.U.F.F. Jesus, das Bier ist alle! Abo Alsleben und Volly Tanner (Foto, v.li.) sprachen über das neue Album von S.U.F.F., "Kontrollbereich", über das Letzte Abendmahl und über Spaß in düsteren Zeiten. BLITZ! Seit Jahren ist die Tendenz steigend. Daniel Caleb Thompson ist einer von ihnen. Er ist Künstler und gehört zu einer Handvoll Menschen aus den USA, die sich in Leipzig eben- falls künstlerisch entfalten. Der 1976 im US-Bundesstaat Wisconsin geborene Designer kam 2000 zunächst nach Weimar, um an der Bauhaus-Universität wenig später seinen Abschluss zu machen. Als Vi- deokünstler stellte er 2015 zusam- men mit seinem Landsmann Steve Lewis in der Galerie Potemka Arbei- ten aus. Die Schau stand unter dem Motto "Post-Americana". Sie sollte als Abgesang auf das Land der un- begrenzten Möglichkeiten verstan- den werden. Thompson durchfurcht in seinem Werk sein persönliches Verhältnis zum Staatssystem auf dem nordamerikanischen Kontinent, hinterfragt die dort herrschenden Entwicklungen. Er lässt seine ame- rika-kritische Haltung einfließen und bezieht Stellung gegen die auch hierzulande viel gepriesenen fle- xiblen Arbeitszeitmodelle, aber auch gegen Vetternwirtschaft und die politische sowie wirtschaftliche Bevorteilung von wenigen Reichen. Thompson begeht mit seiner Kunst keine Realitätsflucht, er bezieht Stel- lung. Bester Beweis ist seine Vi- deoinstallation mit dem Konterfei der aktuellen Präsidentschaftskandi- datin Hillary Clinton, samt des Spruchs "Yes, we could have" - eine doppeldeutige Anspielung auf Ba- rack Obamas "Yes, we can!". Ge- konnt wurde seither nicht viel. Politi- ker und Wirtschaftsbosse wissen ihr System zu erhalten. "Leider sind deren Techniken der Manipulation und Ausbeutung der Arbeiterklasse so erfolgreich, dass sie nur ein paar Jahre nach der größten Rezession in der Geschichte versuchen, eine glo- bale Monokultur auf Basis eines extra-juristischen Freihandelsabkom- mens auszuhandeln", sagt Thomp- son in Richtung der aktuellen CETA- und TTIP-Verhandlungen. Er glaubt, dass jegliche Art von Kultur ein Gut sei, zu dem jeder einen freien Zu- gang haben sollte. Doch wieso ist Leipzig sein Lebens- mittelpunkt geworden? "Weil die Leipziger Szene ihre Rolle als Vor- reiter der digitalen Kunstszene end- lich verstanden hat und ich nur an einem Ort, wo solche Diskussionen möglich sind, arbeiten möchte." Und Leute wie er werden mehr. Seine ebenfalls in Leipzig lebende Lands- frau Maeshelle West-Davies z.B. kam 2004 für ein Kunstprojekt in die Stadt. Die Objektkünstlerin, Fotogra- fin und Performance-Akteurin verließ bereits 1996 die USA und ging nach Großbritannien: "Ich war schon immer europhil, hier ist alles Kultur!" WORT: W.E. WILCOX / BILD: THEO BRUNS Daniel Caleb Thompson Europhile Amerikaner Dass in Leipzig auch US-Amerikaner leben, tritt nicht allzu offensiv zu Tage. Laut Statistischem Jahrbuch wohnen knapp 800 Bürger der Vereinigten Staaten hier.

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