Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

BLITZ-2016-09-Chemnitz

9 Magazin BLITZ! Einer meiner Bekannten bezeichnete Vielschreiber, Leute, die andauernd, ohne Unterlass Texte verfassen, schwit- zende Wortarbeiter, die jedes Jahr einen 800 Seiten starken Roman voll- enden, als Manoskribenten. Dass er diese Bezeichnung ein wenig respekt- los verwendet hat, liegt daran, dass Vielschreiber es häufig nicht allzu genau mit der Sprache nehmen. Daniel Arnold ist alles andere als ein Vielschreiber, was daran liegt, dass ihm die Worte zu wertvoll sind, um sie im Sekundentakt herauszufeuern. Da- niel nimmt das Schreiben sehr ernst. Weil so vieles in unserer Zeit beliebig, bedeutungslos, oberflächlich gewor- den ist, stellen für ihn die Worte einen Halt dar, eine Stabilität und Orientie- rung, um sich über sich selbst und seine Position in der Welt klar zu werden. Er spürt es, wenn eine Situation oder ein Gefühl zu einem Gedicht werden soll. Und dann setzt er sich hin und bringt eines dieser präzisen, radikal minimali- stischen Gedichte zustande, die in sei- nem 2009 im Chemnitzer Claus Ver- lag erschienen Buch "Was sonst ver- mag ich zu sagen" nachzulesen sind. Dichten bedeutet für Daniel auch Ver- dichten, die Kunst, Worte so zu setzen, dassihreKonstellationeinmaligist,und eigentlich ist ein Gedicht für ihn nie fer- tig, nie abgeschlossen, weil ein Wort, dasheutenochvollkommenrichtigund passend war, morgen schon seine Be- deutung verloren haben kann. DiesesintensiveAuseinandersetzenmit der Beziehung zwischen Sprache und eigenem Erleben sorgt dafür, dass Da- nielsTextenichteinfachunddeswegen auch nie banal sind und schon gar nicht schnelle Antworten zu geben ver- mögen. Es ist erstaunlich. Wieso be- ginnt jemand mit einer solchen Ernst- haftigkeit Lyrik zu verfassen? Kommt es daher, dass er in der Gegend aufge- wachsen ist, in der auch Reiner Kunze lange gelebt hat? Liegt es daran, über einebesonderesprachlicheBegabung zu verfügen und sich erst spät darauf eingelassen zu haben? Oder wurde er durch schwierige emotionale Situatio- nenzujemandem,dersichaufeinebe- sondere Art und Weise die Welt zu eigen macht? BeiDanielArnoldkommtwohlallesein wenig zum Tragen. 1974 wurde er in StollberggeborenundwuchsinLugau, dem Nachbarort von Oelsnitz auf, dem Ort also, in dem Reiner Kunze die "Wunderbaren Jahre" geschrieben hat. Das allein macht noch niemanden zum Dichter, aber Daniel, der nach zweiSemesternPhilosophiezurSozial- pädagogik wechselte und in jener Zeit von Hans Magnus Enzensbergers "Sommer der Anarchie" fasziniert war, suchte schon immer nach einem Weg, die Welt, in der er lebt, anders zu ge- stalten,alssiesichihmdarstellt.Dasge- schieht in seinem Beruf als Sozial- pädagoge auf eine sehr praktische und beherzte, in seiner Dichtung hin- gegen auf eine überaus fantasievolle, das Alltägliche transzendierende Art und Weise. Als seine Vorbilder nennt erPaulCelan,ErichFriedundErikavon Watzdorf-Bachoff, alle zusammen keine Gebrauchslyriker, aber ernsthaft mit der Sprache kämpfende Künstler. WORT: LOTHAR BECKER / BILD: PRIVAT Daniel Arnold Dichten, verdichten Wieso beginnt jemand mit einer solchen Ernsthaftigkeit Lyrik zu verfassen? Liegt das an einer besonderen Begabung, an Vorbildern, Prägungen oder Zufällen? RAW-Festival der Industriekultur Geschichte erleben Thalia in der Galerie Roter Turm Etwas Großes werden Zu den diesjährigen Tagen der Industriekultur, von 23. bis 25. September, begeht ein neues Format seine Premiere: Das RAW-Festival wird dort gefeiert, wo man Industriekultur und -geschichte hautnah erleben kann, im ehemaligen Reichsbahn- ausbesserungswerk (RAW). Das riesige Gelände oberhalb der Emilienstraße ist sonst für Besucher tabu. Früher wurden hier Lokomotiven repariert und instandge- setzt, die Erzgebirgsbahn macht das noch heute. Am 24. September ab 14 Uhr und auch am 25. von 14 bis 20 Uhr wird auf dem RAW-Gelände ein vielfältiges Programm für jedes Alter geboten, u.a. mit Bike-Trial-Shows und dem sechsfachen Trialweltmeister und Guinness-Weltrekordhalter Marco Hösel sowie Skate-Shows und Workshops mit dem AJZ. Abends wird das Gelände dann zur Party-Zone, am 23. mit der 1.000. Party "Brauclub on Tour" und am 24. mit einem Industrial Clash voller Live-Bands. Außerdem gibt es eine Kinderwerkstatt, den Science Slam, Technik zum Anfassen und vieles mehr. www.industriekultur-chemnitz.de WORT: KS / BILD: HAUS E/BIGSTOCK.COM-BSPMAXX/STOCK.COM/MIROSLAV GEORGIJEVIC DerHerbststehtvorderTürunddieThalia-BuchhandlunginderGalerieRoterTurm wartet mit einem reichhaltigen Programm auf. So gibt es am 20. September eine Präsentation von "Held und Rebell - Die Peter-Ducke-Story", kombiniert mit einer Talkrunde, nicht nur für Fußballfans, mit dem ehemaligen DDR-Fußballer Peter Ducke (Foto) sowie Moderator Thomas Sitte. Um die beeindruckende Lebens- geschichte von Bernhard Mares geht es am 28. September in der Autorenlesung von Josef Formánek in "Die Wahrheit sagen". Geboren in einer Straßenbahn, fast ausgewandert, beseelt von dem Drang, etwas Großes zu werden und dann auf dem Weg durch die Niederungen des 20. Jahrhunderts. Er zieht als SS-Mann in den Krieg, gerät in Gefangenschaft, wird Parteisekretär in der tschechischen KP, findet und verliert dabei die Liebe seines Lebens. Last but not least erwartet Euch am 29. September eine weitere Autorenlesung unter dem Titel "Wendora - Staub und Blut" mit dem Fantasy-Großmeister Markus Heitz. www.thalia.de WORT: KARSTEN SPEHR / BILD: FRANK SCHUMANN

Seitenübersicht