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BLITZ-07-2016-THUERINGEN

14 Musik BLITZ! Dark Suns Everchild Feuerschwanz Sex Is Muss! Zu den selbst formulierten künstleri- schen Zielen dieses Mediäval-Rock- Haufens gehören "jeden Tag besof- fen sein", "sich mit tausend Frauen paaren", "eine Maid nur durch die Macht der Minne zur Frau machen" oder "alle Schandmaul-Texte rück- wärts furzen". Ihre Bühnennamen sind Prinz Hodenherz, Sir Lanzeflott oder bei der Dame des Ensembles Johanna von der Vögelweide. Es keimt der Verdacht, dass auch mit dem Bandnamen nicht nur der feu- rige Schweif eines bösen Drachens gemeint ist. Die einschlägigen Strei- terinnen und Streiter emanzipatori- scher Korrektheit prangerten prompt pathetisch an - das war das Ziel. Das neue Album der selbsternannten "Krieger des Mets" heißt in direkter Antwort darauf: "Sex Is Muss". Darum geht es auch und dabei text- lich durchaus hemdsärmlig zur Sache. Der Titelsong gibt sich un- verhohlen nicht als Liebes-, sondern als Triebeslied. Sie frönen eben nicht der hohen, sondern der nie- deren Minne, da darf es durchaus körperlich werden. Das gilt auch für die einschlägigen Sauf- und Rauflie- der. Der Reigen beginnt mit dem alten Gassenhauer: "Es wollt ein Bauer früh aufsteh'n". Auch musika- lisch wird ein ordentliches Brett ge- bohrt, ohne dass man sich in irgend- einer Weise um historisch genaue Nachempfindung historischen Musi- zierens kümmert. Bestandteile sind die üblichen Ingredienzien der Al- chemie des Mittelalter-Metals: Man mische satte Gitarren-Riffs mit ein- gängigen Melodie-Linien von Du- delsack, Flöten oder Geigen und würze herzhaft mit männlichen Ge- sängen, gerne im Bündel als Sta- dion-Chor. Funktioniert mit reichlich Met immer. Von ihren Zielen geben sie zu, eines bisher noch nicht er- reicht zu haben. Kleiner Tipp: Bei Schandmaul sind sie schon ziemlich weit. FRODO WAWRZYNIAK Das fünfte Album der Leipziger hat seinen Ursprung deutlich bei den großen Prog-Rock-Heroen der 70er, als sich der Rock neben anspruchs- vollen Musizierformen wie Neuer Musik und Jazz emanzipierte. Doch sie verharren keine Sekunde in der Anbetung der Asche alten Feuers, sondern tragen seine Glut weiter: Souverän schlagen sie Brücken von den Pionierzeiten zum heutigen Post- rock, nehmen Ambient, Jazz-Rock und eine ordentliche Prise Dunkel- Metal gleich mit. Gleich das zweite Stück "Spiders" ist so ein Beispiel. Satte Bläser dürften Metal-Puristen gründlich abschrecken, harmonie- ren aber wunderbar mit warm-wuch- tigen Riffs in einer Art Jazz-Metal. Das Ganze mündet in eine zwin- gende, sehnsuchtsvolle Refrainmelo- die, Niko Knappes Gesang bleibt samtweich. Alle Songs sind komplex gebaut und folgen durch vielfältige Verästelungen, Tempi- und Moti- vwechsel einer exakt determinierten Dramaturgie, die immer das Ge- samtopus im Blick hat. Wo andere Abwechslung in minimaler Einfach- heit suchen, lassen sich Dark Suns zur Erholung gelegentlich entspannt in schwer verjazzte rhythmische Frickeleien fallen ("Codes" etwa). Man muss ihnen da vielleicht nicht in jeder Situation folgen, warum sollen Musiker auf diesem Niveau nicht auch einfach mal ein bissel spielen dürfen. Elektrisierend wird es, wenn sie dem in ihnen schlummernden Drang nach episch-sinfonischer Weitung der Songs in Richtung Un- endlichkeit Raum geben. Das meint bei ihnen nicht die typische Shoega- zer-Schlussekstase in endlosen Klanggewittern, sondern die allmäh- liche dynamische Verdichtung unter- schwellig pulsierender Spannun- gen, bis die Lied-Finals zu Startram- pen werden, von denen aus die zen- tralen Module in unerreichbare Ewigkeiten abheben. FW BLITZ!: Andere fahren nach Brasi- lien, um fernsehwirksam Sport zu trei- ben, Ihr nehmt dort eine Single auf. Wie kam es dazu? Kay: Wir waren dieses Jahr bereits das vierte Mal in Brasilien. Seit 2013 fahrenwireinmalimJahrfürdreiWo- chen nach Brasilien, um da Konzerte zu spielen. Wir haben da mittlerweile viele Fans und sehr gute Freunde ge- winnen können. Überhaupt lieben wir es, zu reisen und andere Leute undKulturenkennenzulernen.Füruns sind eigene Erfahrungen sammeln der beste Schutz vor Vorurteilen und Fehlinformationen. Dadurch inspiriert und vielleicht auch durch die aktuel- lenGeschehnisseinDeutschlandund der EU entstand die Idee zum Song. Also lag es nahe, unsere brasiliani- schen Freunde einzuladen, ihre Mes- sage dazu beizutragen. BLITZ!: Werden Lurdes da Luz und Fernanda Sant'Anna demnächst zu einem Gegenbesuch kommen? Kay: Lurdes war schon in Deutsch- land und Europa unterwegs. Leider bevor wir sie kannten. Sie ist vor kurzem Mutter geworden. Ich denke also,aufihrenächsteTourmüssenwir leider noch ein bisschen warten. Fer- nanda und ihre Band würden sehr gernmalnachDeutschlandkommen. Das wäre wirklich eine Bereicherung für die deutsche Musikszene! Leider ist das alles nicht so einfach, da liegt ja noch dieser Ozean dazwischen. Aber wir hoffen, dass es irgendwann klappt. BLITZ!: Als Band mit Basis in Görlitz, dürftet Ihr gute Verbindungen nach Polen haben. Dort gibt es doch auch eine aktive Reggae-Szene … Kay: Von uns wohnt nur noch einer in Görlitz. Der Großteil ist nach Dres- den und Berlin gezogen. Leider ist es nicht so einfach, als deutsche Band in die polnische Szene einzusteigen. WirhabenjedocheinpaartolleGigs in Wroclaw, Zgorzelec und Sosno- wiec gespielt und hoffen, dass da in Zukunft noch mehr geht. BLITZ!: Wer ist der letzte Görlitzer unter Euch? Kay: Der letzte Görlitzer ist Thomas, unser Percussionist. BLITZ!: Am 20. August kommt Ihr nach Eisenach. Was passiert da bei der Open Air Reggae Night? Kay: Ich denke, der Name ist Pro- gramm! Die sogenannte Reggae Night in Eisenach war früher ja berühmt-berüchtigt und laut Veran- stalter haben die Leute aus Eisenach immer wieder nachgefragt, wann denn endlich mal wieder so ein le- gendäres Open-Air stattfindet. Wir warendieGlücklichen,dieangefragt wurden und hoffen, alte Traditionen wieder aufleben zu lassen. Neben uns spielen Satta Tree, Roots-Reggae aus Berlin. Ich denke schon, das wird ein schickes Fest, was man nicht ver- passen sollte. Wir werden auf jeden Fall unser Bestes geben. www.yellow-cap.com WORT: ERNIE LC / BILD: YC Yellow Cap in Eisenach Eigene Erfahrungen Die Görlitz-Dresden-Berliner Ska-&-Rocksteady-Band Yellow Cap war mal wieder in Brasilien und hat dort mit den Kolleginnen Lurdes da Luz und Fernanda Sant'Anna "Around The World" aufgenommen. Wir erkundigten uns bei Sänger Kay Natusch (Foto, rechts).

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