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BLITZ-07-2016-DRESDEN

6 Titel BLITZ! So ist die Albrechtsburg das älteste deutsche Schloss - erstmals stan- den beim Neubau einer Herrscher- wohnung nicht die Verteidigungs- möglichkeiten bei Kämpfen, sondern allein Schönheit und Innovation im Vordergrund. Wer heute als Besucher die elegante spätgotische Fassade bestaunt oder durch die riesigen Säle mit ihren filigranen Gewölben wan- dert, kann nur ahnen, wie aufregend neu und repräsentativ dieser Bau zu seiner Entstehungszeit gewesen sein muss. Schade also, dass es damals (fast) niemand sah. Zwar wohnte mit Zedena von Böhmen immerhin die Ehefrau von Bauherr Albrecht dem Beherzten im Schloss - der Herzog selbst war immer unterwegs -, aber die äußerst fromme Herzogin schätzte eher die Nachbarschaft zur wichtigsten Kirche des Landes, dem Dom zu Meißen, als die äußere Pracht ihres Wohnsitzes. Der Umzug der Residenz nach Dresden, der Wandel der architektonischen Mode und schließlich schwere Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges ließen die Albrechtsburg ins Abseits und dann in den beginnenden Verfall rücken. Erst August der Starke zeigte wieder Interesse am Schloss seiner Ahnen und machte es mit der Einrichtung der ersten europäischen Porzellan- manufaktur erneut zum Vorreiter einer künstlerischen Entwicklung. Attraktiv wurde das Schloss dafür weniger durch seine Schönheit als durch seine schiere Größe und vor allem die ab- geschlossene, leicht zu isolierende Lage - so sollte das Geheimnis des "Weißen Goldes", des ersten europäi- schen Porzellans, gewahrt bleiben. Dass es nicht lange ein Geheimnis blieb, hatte trotz aufkommender un- liebsamer Konkurrenz auch Vorteile. Zum einen wurde der für die histori- schen Mauern nicht ungefährliche Produktionsbetrieb aus dem Schloss in eigens erbaute Räumlichkeiten im Triebischtal verlagert, und die durch ZahnderZeitundPorzellanproduktion blessierte Albrechtsburg konnte restau- riert und als architektonisches Juwel derÖffentlichkeitzugänglichgemacht werden. Zum anderen ergab sich durch die Verbreitung der Produktion auch eine vielgestaltigere kreative Auseinandersetzung mit dem Werk- stoff Porzellan. Aktuelle Positionen der künstlerischen Arbeit mit Porzellan in den Fokus zu rücken, ist das Anliegen des Vereins zur Förderung zeitgenössischer Por- zellankunst, der seinen Sitz in Meißen hat. Als der Verein nach einem Ort für regelmäßige Präsentationen von Porzellan suchte, lag es nahe, in der dem Porzellan besonders verbunde- nen Albrechtsburg anzufragen. Am 17. Juli beginnt dort die erste inter- nationale Porzellanbiennale, für die 25 namhafte Kunstschaffende aus dem In- und Ausland eingeladen wurden, Objekte auszustellen. Maxi- mal drei Werke kann jeder Künstler präsentieren, erlaubt sind alle Aus- drucksformen, nur seriell hergestellte Objekte sind verboten. Bis zum 18. September können die experimen- tellen Arbeiten in der Ausstellung be- sichtigt werden, und wie der Name Biennale sagt, soll die Leistungs- schau zeitgenössischer Porzellan- kunst nun alle zwei Jahre stattfinden. Für 2018 können Arbeiten in Form eines Wettbewerbs eingereicht wer- den, die eine Jury prüft und aus- wählt. Dann soll auch erstmals der "Johann" vergeben werden, ein Preis, der nicht nur mit dem Namen an einen der innovativen "Väter" des europäischen Porzellans, an Johann Friedrich Böttger, erinnert. So können sich in den Räumen der Albrechtsburg auf ihre alten Tage noch einmal Schönheit, Innovation und hoffentlich auch Besuchergunst treffen. Und wenn man bedenkt, dass plastische Arbeiten mit Porzel- lan nicht nur mit Genuss anzu- schauen, sondern auch auf dem Kunstmarkt immer gefragter sind, kann man sich vorstellen, wie ange- tan auch die einstigen Besitzer des Schlosses gewesen wären. www.albrechtsburg-meissen.de WORT: JUDITH WOITTENNEK BILD: SYLVIO DITTRICH (SCHLÖSSERLAND SACHSEN - ALBRECHTSBURG MEISSEN) Porzellanbiennale: 17.07.-18.09. Meißen, Albrechtsburg Abgeschlossene, leicht zu isolierende Lage Ein Porzellanschloss Erste Porzellanbiennale auf Schloss AlbrechtsburgErste Porzellanbiennale auf Schloss Albrechtsburg Ein Porzellanschloss Schon in der äußeren Gestalt erinnert die Albrechtsburg in Meißen mit ihrer weißen grazilen Fassade an edles Porzellan, und auch wenn es sich natürlich um ganz solide Steinmauern handelt, gibt es wohl kaum ein Bauwerk, bei dem die Bezeichnung Porzellanschloss passender wäre.

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