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BLITZ-07-2016-DRESDEN

11 Satire BLITZ! Allerdings sieht man zwischendurch auch Dinge, die besser nicht zu sehen wären. Also weniger herrliche Körper und keine so tolle Haut, eher schon hängende Gärten. Dabei ist auffällig, mit welchem Selbstbewusstsein man- che Menschen ihre äußerlichen Defi- zite präsentieren, als wären sie bei GNTM. Oftmals sind das dieselben, die ihre geistige Schlichtheit mit dem Stolz eines Nobelpreisträgers tragen. Das ist andererseits ein Vorteil, weil die Dummheit die Hässlichkeit igno- riert. Allerdings ist es manchmal ein schmaler Grat zur visuellen Körper- verletzung. Ich meine natürlich nicht die Men- schen, die für ihre Defizite nichts kön- nen und darunter leiden. Die haben auch selten das passende Ego zu ihrer Erscheinung. Ich meine die, die ihre Defizite selbst zu verantworten haben. Die aus den Discountern aller Art stürzen, vollgepackt mit billigem und ungesundem Zeug, wenn es geht FluppeindereinenundZuckerwasser in der anderen Hand. Ach nee, das wardasKind.Beimanchentrifftesder Begriff Bikini-Figur nicht wirklich, eher irgendwas mit Zelt. Nachdem wir vor einigen Jahren unsere Mädchen vor Bulimie gewarnt haben, scheint mir der Sommerreifen wieder stark in Mode gekommen zu sein, wobei eine fette Bemme beim Auto mehr Sinn macht, als an der Hüfte. Dann denke ich, das mit der Verschleierung hat nicht nur Nachteile. Interessanterweise waren früher die Reichen fett und aufgequollen, weil die es sich leisten konnten. Heute ist es eher Zeichen einer kranken Konsum- welt, die das schlichte Gemüt als Opfer findet. Außerdem überkommt mich immer öfter ein Gefühl der Nacktheit, weil ich als scheinbar Ein- ziger nirgends tätowiert bin. Schon bei der Fußball-EM war klar zu sehen, dass die Trikots das Wesentliche ver- deckten: Die Tattoos! Manche schos- sen nur Tore, um sich im Jubel das Tri- kot ausziehen und allen die Tattoos zeigen zu können. Allerdings ge- wöhnt man sich schnell an den An- blick, wenn es ganz viele machen. Und irgendwann schaut man gar nicht mehr hin, weil es zu viele sind. Spätestens dann hat es seinen Sinn, das Besondere verloren. Waren es anfangs nur die Arme, hat man heute das Gefühl, die, die nur am Arm tätowiert sind, haben wohl mitten- drin aufgehört. Früher hatten die Tat- toosklareBotschaften,z.B.Mädelsmit großen Brüsten. Oder das Arschge- weih war geografisch so günstig gele- gen, dass man hinschauen musste. Und heute? Neulich sah ich etwas Irri- tierendes: Eine junge Zielgruppenteil- nehmerin kam mir entgegen, kurzes Top, kurze Hose, kurze Leine mit Hund dran, der zu kurze Beine hatte. So ein Kleiner, mit fettem Gesicht, sabbern- der Schnauze und etwas dümmlichen Augen.AlsoeinsüßerFratz.Jedenfalls dachte sich das Frauchen so etwas und hat sich die sabbernde Schönheit auf den Oberschenkel tätowieren las- sen. Hoffentlich ohne den Sabber. Aberwarum?AlsPhantombild,fallser mal wegrennt? Als Verhüte-Hund? Will sie den Männern sagen, wer in meine Höhle will, muss am Hund vor- bei? Wird sie sich auch mal ihre Kin- der tätowieren lassen? Ich meine, ein Schenkel war noch frei. Werden die später, im Plissee-Alter, nicht aussehen wie Gremlins? Andererseits hatte sie damit fast noch so eine Art Message. Die meisten Tattoos hingegen sind nur da, jedenfalls kann ich damit nichts anfangen. Da fehlt mir der Hinter- grund. Manche sehen aus wie eine Gothic-Tapete. Andere scheinen eine komplizierte Kindheit bildlich verar- beitet zu haben oder haben das Ha- kenkreuz mit einer Windrose ver- wechselt. Natürlich aus Versehen, weshalb das Tragen von Nazisymbo- len als Tattoo juristisch nur mit einer Bewährunggeahndetwird.Mangeht davon aus, dass die das nach der Ur- teilsverkündung abwaschen. Aber was könnte man denn noch ver- ewigen? Die Marke des Smartpho- nes? Das Fitness-Studio, in dem man trainiert? Die Firma, in der man arbei- tet? Ich meine, da eignet sich nicht jede. Und was ist beim Firmenwech- sel? Auch Hartz IV sieht als Schriftzug scheiße aus. Das scheint mir noch ein weites, unbearbeitetes Marketing- Feld zu sein. Denn nichts anderes ist es am Ende - ein Marketingerfolg, eine Mode! Und die kann auch ver- gehen. Und dann? Wäre es nicht bes- ser, man benutzt den guten alten Auf- kleber wieder? Da kann man sogar die aktuelle Freundin am Mann tra- gen. Und falls die mal ausgewechselt werden muss, tauscht man eben den Aufkleber. Die ohne Aufkleber sind wahrscheinlich Single. Und das Wa- xing ist inklusive. Nur Vorteile! Viel Spaß damit, ciao, Euer Mario www.vorsicht-thiel.de WORT: MARIO THIEL /BILD: TOBIAS KADE Vorsicht, Thiel! Körper und Körperbilder Die, die nur am Arm tätowiert sind, haben wohl mittendrin aufgehört? Das vielleicht Schönste am Sommer ist die leichte Bekleidung der Menschen. Man sieht herrliche Körper, tolle Haut und viele andere Sachen, die einem an der jeweiligen Zielgruppe gefallen.

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