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BLITZ-06-2016-THUERINGEN

7 Magazin Wir werden in die Zeit des Dreißig- jährigen Kriegs versetzt und vom Autor Friedrich Sack gleich im Vor- wort davor bewahrt, "die nachfol- genden Blätter ... mit der Lupe der geschichtlichen Kritik ... durchstö- bern (zu) wollen". Er gibt klug zu bedenken: "Nicht das ist Kunst, dass jeder Westenknopf streng hi- storisch abgebildet ist, sondern dass der Atem der gemeinten Zeit und des Ortes weht." Und genau jener Atem weht durch das Buch. Man stellt uns Lor(en)z Schüßler als Ratsherren, Tuchmeister und ehemaligen Soldaten vor. "Sein Anhang war die Partei der Unzu- friedenen und Neuerungssüchti- gen. Freilich waren unter ihnen, unter dem unklaren Gemisch von Narren, Nörglern und Fantasten, auch die Feuerköpfe, die Leute von Mut und Entschlossenheit, und um ihretwillen musste man sich mit dem anderen Schwarm abfinden." Das ist erstaunlich formuliert, Schüßlers Anhängerschaft fällt im Laufe der Handlung jedoch weni- ger ins Gewicht, als man an dieser Stelle vermutet. Nach der Einführung ins Gesche- hen und dem Aufbau eines hand- festen Problems - Hildburghausen droht die Plünderung durch die kai- serliche Armee, zudem steht der Hauptheld zwischen zwei Frauen - lernen wir den jungen Lorz in Rück- blenden kennen, sind dabei, als er den verletzten Landsknecht Walter Baumgarten rettet, der seinerseits Zeuge des konfliktauslösenden Pra- ger Fenstersturzes war und später noch eine bedeutende Rolle spie- len wird ... "Die Kriegsgöttin zeigte längst das Antlitz einer Furie. Ihre Diener hat- ten das Menschliche abgestreift ... Brandgeruch begeisterte sie zu Or- gien scheußlichster Art." Friedrich Sack romantisiert keineswegs, er zeigt das gegenseitige Töten nicht als Abenteuer, sondern als Schrecken. "Um die Religion war der Krieg begonnen worden. Da hatten Protestanten gegen Katholi- ken gestanden. Bald aber misch- ten sich höchst weltliche Dinge in die blutigen Auseinandersetzun- gen ..." Doch der Roman um den Retter von Hildburghausen hat selbstver- ständlich auch seine schönen Sei- ten. Und Lorz Schüßler ist ein Held, der dem Leser gefällt, ein etwas ei- genbrötlerischer Ehrenmann mit zuweilen rauer Schale, aber einem Kern mit Herz. Der angeschlagene Ton wirkt der geschilderten Zeit an- gemessen altertümlich, ohne je ins Altbackene abzudriften. Vielmehr staunt man über die gedankliche Nähe zwischen den Jahren des er- sten Erscheinens und der erneuten Veröffentlichung. Im Nachwort müssen wir leider er- fahren, dass an Auskünften über Friedrich Sack kaum Nennenswer- tes bewahrt worden blieb. Das ist schade! Aber immerhin haben wir sein Buch. www.salierverlag.de WORT: PF / BILD: SALIER VERLAG (COVER) Der Retter von Hildburghausen Ein Held, der gefällt Die Originalausgabe dieses Romans erschien 1924 bei F.W. Gadow & Sohn in Hildburghausen, die aktuelle 2016 bei Hans-Jürgen Salier & Sohn in Hildburghausen und Leipzig. BLITZ!

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