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BLITZ-06-2016-THUERINGEN

BLITZ! Anatevka in Sondershausen Einmal reich sein Das Lied des Milchmanns Tevje, "Wenn ich einmal reich wär", ist ein Musical- Evergreen allererster Güte und spricht auch inhaltlich die Sehnsüchte von sicher- lich90ProzentderZuschaueran.Wermöchtenichtreichsein(undohne Sorgen)? Im Vergleich zu Tevje und dessen Familie und Nachbarn im ukrainisch-jüdischen Dorf Anatevka um das Jahr 1905 herum geht es uns hier & heute jedoch kolos- sal und luxuriös. Wir können z.B. friedvoll im Hof des Schlosses Sondershausen, der ehemaligen Residenz des Hauses Schwarzburg-Sondershausen, sitzen und Musik und Bühnenspiel genießen. Die Thüringer Schlossfestspiele Sonders- hausen bringen in dieser Saison Jahr "Anatevka" (17.06.-09.07.) auf die Bühne sowie "König Drosselbart" (18.06.-09.07.) und "Carmina Burana" (21./22. Juni). Dabei arbeiten die Organisatoren und Macher mit jungen Sängerinnen und Sängern zusammen, die sich am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn befinden, also mit den potenziellen Stars von morgen. www.schlossfestspiele-sondershausen.de WORT: BC/BILD: TINO SIELAND Literaturfestival in Weimar Nun wieder größer Nach der kleineren Variante im Vorjahr wird das Weimarer Literaturfestival "juLi im Juni" nun wieder größer. Mit Wittumspalais, Kasseturm, Mon Ami, Projekt Eins, Labyrinth Hostel und Niketempel gibt es sechs Veranstaltungsorte, die Gäste wie Sandra Gugic (Foto), Rasha Khayat oder Karl Wolfgang Flender treten am Nachmittag und Abend des 18. Juni mehrmals auf. Besteht da nicht die Gefahr des Verzettelns und der Desorientierung?, fragten wir Tabea Schleinitz von den Organisatoren. "Verzetteln tun wir uns sicher nicht. Die Orte liegen alle sehr nah beieinander, so dass die Besucher problemlos den Überblick behalten können. Außerdem haben wir am Theaterplatz eine kleine Bühne mit Informationspunkt, wo sich jeder notfalls noch zusätzlich informieren kann. Natürlich ist das mit einem großen Organisationsaufwand verbunden. Wir sehen die sechs Locations aber als eine absolute Bereicherung für das Festival, also für die Autoren einerseits und die Besucher andererseits." www.juli-im-juni.de WORT: BC/BILD: DIRK SKIBA 4 Satire Kudernatschs Kolumne Haar-akiri! Wieso wird eigentlich Rebellion immer über Haare ausgetragen? Mal sind es die Langhaarigen, die ihre Fettloden schütteln. Mal sind es die Kahlgeschorenen, auf deren Glatze sich keine Locke mehr wickelt. Dann sind es bei jungen wie alten Damen rote, grüne und blaue Strähnchen in genau dieser Reihenfolge. Und bei den Herren folgen einrasierte Muster, die vom Fußball bis zum Stern reichen. Egal, vom Headbanger bis zur Schmalztolle, vom Irokesen bis zum Pop- perschwanz, die Aussage lautet immer: "Seht her, ich bin anders als die ander'n und tu' alles unterwandern!" So geht das seit Jahrzehnten - seit den Pilzköpfen der Beatles und dem haarigen Musical "Hair". Ich verstehe diese große Haarigkeit gar nicht. Wir sind doch keine Affen mehr! Aber das mag an meinen eigenen Haaren liegen. Sie sind dünn und kleben eher an meinem Kopf dran. Darum hat mein Kumpel Tom passend erkannt, dass ich die Frisur einer toten Taube habe. Das ist gewissermaßen auch schon wieder eine Rebellion, denn wer rennt außer mir noch so herum? Keiner! Den neuesten Trend, der bald schon wieder endet, kennt jeder: Es ist der Hipster, der einen Dutt und einen Vollbart trägt. Er rebelliert also mit einer Mischung aus Oma und Weihnachtsmann. Demnächst trägt man wahr- scheinlich Schnauzbart und Zöpfe wie die alten Wikinger. Das wäre dann ein Mix aus Horst Lichter und Pippi Langstrumpf. Dabei gibt es eigentlich nur drei, denen so ein Schnauzbart steht: Das sind der Detektiv Thomas Magnum, der Kabarettist Gunter Böhnke und der gemeine Seehund. Doch die haarige Revolution endet nicht auf dem Kopf, sie rutscht weiter nach unten. Achselhaare werden mal entfernt oder mal gedüngt, auf dass sie buschig sprießen, um sie anschließend neonfarben anzumalen. So passiert bei Lady Gaga. Und es geht noch heiter weiter - bis hin zur Intimfrisur, wobei mich dank einer Frauenzeitschrift eine Rasur besonders beeindruckt: die einstreifige Landebahn. Das Mädel, dass sich dazu noch eine blinkende Weih- nachtsbaumkette links und rechts der Bahn einpflanzen lässt, erweckt die perfekte Illusion eines Flugplatzes. Wer will da nicht Sportflieger sein? Sparen wir die unteren Bereiche aus, es lesen Kinder mit! Bleiben wir bei der Kopfarbeit. Denn wer leistet sie? Wer profitiert von den wechselnden Trends? Wer macht uns die Haare schön? Es ist der Friseur. Er steckt da- hinter mit Schere und Rasierer, mit Lockenstab und Kamm, mit Trocken- haube und Föhn. Er versorgt die Frisuren mit Konturen und lenkt damit längst die Geschicke der Geschichte. Zwar tarnt er sich mit harmlosen Namen wie "Rundhairum" oder "Kamm in", wenn nicht sogar "Hair- Coolness" oder "Cut'ze". Und seine Mitarbeiter, nennen wir sie die "Ab- schnittsbevollmächtigen", heißen unauffällig Peggy, Maggy oder Freddy. Aber mich kann man nicht länger täuschen. Die Revolution frisst ihre Kin- der, und der Friseur hübscht sie vorher auf! Längst hat dieser harmlose Beruf eine politische Dimension erreicht. Die stille Übernahme läuft. Denn wer weiß wirklich alles? Wo laufen die neuesten Informationen auf? Wer kann Gerüchte und Klatsch geschickt streuen? Der Friseur! Deshalb sagt am besten gar nichts beim nächsten Haareschneiden! Hört einfach nur zu und sperrt die Ohren gut auf! So lange sie Euch der Friseur noch nicht abgeschnitten hat! Das kommt als nächstes - direkt vor Haar- akiri! WORT: ANDRÉ KUDERNATSCH/BILD: PF

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