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BLITZ-06-2016-HALLE

6 Magazin Mir weht eine warme Abendbrise ins Gesicht. Die Menschen auf dem Markt wuseln umher und sind aller Wahrscheinlichkeit nach auf der Suche nach einem gemütlichen Plätzchen in einer der vielen urigen Kneipen der Stadt. Doch mein Weg führt mich vorbei am Universitätsring zu Lena. Schon beim Erreichen der Tür ent- decke ich die aufwendigen Verzierun- gen am Eingangbereich. Über dem Tor befindet sich ein Erker, der von zwei Statuen getragen wird. Die Or- namente an der Außenfassade ziehen sich hinauf bis zum Dachgiebel. Als ich jedoch das riesige Klingelschild be- trachte, wird mir etwas schwummrig von dem Buchstabensalat. Nach einem kurzen Überfliegen der 67 Mietparteien entdecke ich ihren Namen auf dem Bord und der Sum- mer ertönt. Lena wohnt zentrumsnah in einem denkmalgeschützten Gebäude, welches ehemals als Heilanstalt und zuletzt als Krankenhaus genutzt wurde. Dies merkt man schon im Trep- penaufgang, der mit seiner Groß- zügigkeit und dem hallenartigen Foyer Aufmerksamkeit erregt. Ich öffne die opulente Glastür, die mich weiter ins anliegende Treppenhaus führt. Etwas verunsichert irre ich über die Flure auf der Suche nach der ge- bürtigen Darmstädterin. Da öffnet mir Lena schon und begrüßt mich herzlich. Ihr Ein-Raum-Appartement ist schnell erkundet und so machen wir es uns auf ihrem kuscheligen Zweisitzer be- quem und köpfen eine Flasche Sekt, um das Wochenende einzuläuten. Sie erzählt mir, wie sie durch ihr Stu- dium der Geschichte und der Angli- stik an die Martin-Luther-Universität nach Halle kam. Ihr Wunsch war es, möglichst schnell aus Darmstadt raus zu kommen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Wahlhallenserin wohnt gerne hier. "Es ist immer was los, ob Stu- dentenfeier oder gemütliches Zu- sammensitzen auf der Terrasse. Wenn im Haus am Wochenende mal keine Party ist, wundere ich mich schon über die Ruhe." Als mir Lena das Haus zeigt, fahren wir mit den Aufzug in den Keller. Hier gibt es eine Sauna, einen Fitness- sowie Waschraum für alle Mieter. Ich bin beeindruckt. So etwas habe ich ehr- lich gesagt nicht in einer Art Studen- tenwohnheim erwartet. Zurück in der Wohnung gelangen wir durch den kleinen Flur in die Küche, die Lena auch gleichzeitig als Arbeitszimmer nutzt. In einer Ni- sche daneben befindet sich ihr Schlafbereich, in dem auch das Sofa steht. Die Wände sind ge- schmückt mit Postkarten und Erinne- rungsfotos. Als ich mich verab- schiede, schwirren in meinem Kopf die Gedanken durcheinander: Was für eine verrückte Idee, in einem alten Krankenhaus zu wohnen. WORT UND BILD: SARAH TANTZ Wohnen in Halle Kranke Studentenbude Diesmal war unsere "Wohnfrau" Sarah zu Besuch bei Lena, die sie unter immerhin 67 Mietparteien in einer einstigen Heilanstalt erst einmal finden musste. BLITZ!

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