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BLITZ-06-2016-DRESDEN

6 Magazin Ein riesiges, alles verschlingendes Zombiemassenheer steuert auf Euro- pas Küsten zu. Es lässt sich weder von Krieg, Seenot oder EU-Gren- zwachen aufhalten. Nur eine grus- lige Fiktion oder fast Wirklichkeit? Das fragt das Stück "Die lebenden Toten" von Christian Lollike in einer Koproduktion mit den Ruhrfestspie- len Recklinghausen im Kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Viel Zündstoff birgt diese grotesk zuge- spitzte Aufführung, die Ängsten vor Fremdem, Gründen und möglichen Folgen des Flüchtlingsdramas in Eu- ropa nachgeht, unter Regie von Tilm- ann Köhler. Dagegen wirkt Houlle- becqs ironisch-politische Fiktion eines islamischen europäischen Staates in seinem Roman "Unterwer- fung", ebenfalls in einer Inszenierung im Kleinen Haus zu sehen, ziemlich harmlos - angesichts dieses viel radi- kaleren Stücks. Die Inszenierung hin- terfragt kritisch die aktuelle Flücht- lingspolitik, die Rolle und Verantwor- tung der Politik, der Medien, des Theaters und jedes Einzelnen. Die Ausgangssituation: Drei Men- schen wollen einen Film zur Flücht- lingskrise drehen. Die Bühne ähnelt einer Sandwüste, ein paar Kisten mit Requisiten, eine Filmleinwand und ein Popcornbecher stehen griffbe- reit. Die zwei Männer und eine Frau überlegen, wie sie am besten Mit- gefühl mit dem Flüchtlingselend er- reichen können beim Zuschauer. Sie versuchen es mittels schockierender Filmszenen wie in Vampir- und Hor- rorfilmen. In so viele Flüchtlinge kann man sich nicht hineinversetzen, lautet ihre These. Die drei hartnäckig um Emphatie und Glaubwürdigkeit ringenden Schauspieler André Kaczmarczyk, Kilian Land und Antje Trautmann sehen sich selbst auf der Leinwand zu und ihren Albträumen. Sie spielen EU-Politiker, Geistliche und menschliche Zombies mit grusli- gen Masken, Flüchtlinge in gebro- chenem Deutsch und sächselnde Ur- lauber am Mittelmeer, die von Zom- bies überfallen werden. Großartig die wahnwitzige Parodie von Kacz- marczyk eines überall Bedrohung witternden Mannes. Kilian Land berührt als Zombie, der das mensch- liche Grauen nicht fassen kann. Antje Trautmann taucht in einem mit- gefilmten Selbstversuch ihren Kopf in eine Wasserschüssel und ihre Mit- spieler lassen sie zappeln, bis sie kaum noch Luft bekommt, damit es echt aussieht. Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen Gleichgültigkeit und Ab- schotten, bevor die schrecklichen Vi- sionen wahr werden, ist diese Auf- führung. Herzlicher Beifall. WORT: LILLI VOSTRY/BILD: MATTHIAS HORN Nächster und letzter Termin: 17.06. Kleines Haus Lebende Tote im Kleinen Haus Die Zombies kommen! Das Stück "Die lebenden Toten" von Christian Lollike ist eine wahnwitzige Parodie auf das Flüchtlingsdrama in Europa. BLITZ! Die einzigartigen Bauten, allen voran DomundAlbrechtsburg,werdendamit zur Kulisse für Theateraufführungen und Konzerte, einen Open-Air-Gottes- dienst (19.) und selbstverständlich den großen Bürgerfestumzug. Dieser Umzug, der die Neuen Burgfestspiele Meißen eröffnet, steht in diesem Jahr unter dem Motto "Auf dem Weg zur Reformation". Die den Umzug prägenden Themenkomplexe Liebe, Tod und Glaube stimmen dabei auf einen weiteren Höhepunkt der Festspielwoche ein, auf den "Jedermann - Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes". Das Schauspiel vom reichen Jedermann, der meint, alles für Geld kaufen zu können, bis er nach dem Ruf des Todes einen Freund suchen muss, der ihn vor Gottes Gericht begleitet, und irdische Güter plötzlich nichts mehr gelten, ist an einen mittelalterlichen Totentanz angelehnt und damit wie geschaffen für eine Aufführung in dem von pracht- vollen gotischen Bauten geformten Burghof. Mit der Inszenierung wird gleichzeitig an die lange Tradition der Meißner Burgfestspiele erinnert. Bereits 1925 wurde der "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal das erste Mal bei den Burgfestspielen, einem Vorgänger der heutigen Neuen Burg- festspiele Meißen, aufgeführt. Mit et- was Fantasie kann man sich vorstellen, dass bei kontinuierlichen Aufführungen die Festspiele in Meißen ähnlich berühmt wie die in Salzburg wären ... Die Rolle des Jedermanns wird Tom Quaas verkörpern, der ja unter an- derem mit den Rollen von Faust und Mephisto in einem ähnlichen Themen- bereich sehr beeindruckte und als Burgbewohner des Meißner Landes am Festspielort wie zu Hause ist. Insgesamt drei Aufführungen bieten Gelegenheit, Jedermanns Ringen um seine Rettung zu verfolgen und natür- lich zu schauen, was für eine schöne Frau die Buhlschaft (Sandra Maria Huimann) ist. In der stimmungsvollen Kulisse des Burghofes kann man sich mit zwei wei- terenStückenindieWeltvergangener Zeiten entführen lassen - "Der Name der Rose" (23./24.) sowie "Was ihr wollt" (26.) von William Shakespeare stehen ebenfalls auf dem Programm. In einen wunderbaren hochgotischen Innenraum führen zwei Konzerte im Meißner Dom, so ein Auftritt des viel- gepriesenen Vokalensembles Amar- cord (18.) und außerdem das Ab- schlusskonzert, das unter dem Titel "Simply Baroque" (26.) das Festival ausklingen lässt und den sanften Über- gang aus der Welt das Mittelalters in die folgenden Jahrhunderte bildet. www.neue-burgfestspiele-meissen.de WORT: JUDITH WOITTENNEK BILD: HAGEN KÖNIG Neue Burgfestspiele: 17.-26.06. Meißen, Burgberg Neue Burgfestspiele Meißen Zwischen alten Mauern Schon von weitem prägt der Burgberg die Ansicht der Stadt Meißen. Dieses eindrucksvolle Ensemble ist von 17. bis 26. Juni Ort der Neuen Burgfestspiele Meißen.

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