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BLITZ-06-2016-DRESDEN

BLITZ! Richard-Wagner-Spiele Graupa Begegnung der Künstler Es gibt nur noch wenige originale Wirkungsstätten von Richard Wagner, einige liegen fast vor unserer Haustür. Die Wagnerstätten in Graupa in den Blick- punkt zu rücken, ist ein Anliegen der Anfang Juli zum vierten Mal stattfin- denden Richard-Wagner-Spiele Graupa. Und natürlich geht es darum, dem scheinbar gut bekannten Werk und Leben des Komponisten neue Facetten abzugewinnen. Bei der diesjährigen Produktion "Ein Stück vom Himmel oder Wenn ich erst ewig bin - Eine Wanderung" treffen sich Richard Wagner und der Maler Casper David Friedrich zu einem Künstlerstreit über Sinn, Wert und Form ihrer Kunst und ihren Einfluss auf die Gesellschaft und führen den Zuschauer gedanklich über den Dichter-Musiker-Maler-Weg der Sächsischen Schweiz. Natürlich werden auch die aktuellen Richard-Wagner-Spiele mit den Veranstaltungen des Wagner-Salons abgerundet, prominenter Gast ist unter anderem der Kammersänger Prof. Peter Schreier. www.richard-wagner-spiele.com WORT: JUDITH WOITTENNEK/BILD: KAROLINE BÜNKER Schaubudensommer Oase für schräge Vögel Längst erwachsen und immer noch voller Flausen: Der 19. ScheuneSchaubuden- Sommer lockt vom 7. bis 17. Juli wieder mit prallbuntem Treiben. Über 70 Künstler aus aller Welt verwandeln den Scheunegarten auf der Alaunstraße allabendlich in einen Platz voller Eigenarten, wunderreicher Klänge und er- zählen Geschichten gegen das Unwissen. Eine Oase für Träumer, Genießer und schräge Vögel. Clowns, Diven, Akrobaten, Mimen und Musiker zeigen in ihren Zelten und Buden zwölf bis 15 Shows pro Abend. Als neue Spielorte sind dieses Jahr das Thalia Kino, die Groovestation und das Projekttheater dabei. Für Theater voll papiernem Zauber sorgt das Niyar Theatre einer jungen Israelin. Die Echse manövriert Michael Hatzius wieder durchs Gelände und erklärt die Welt. Was "Das Eigene/Heimat" für sie ist, ergründen fünf Tänzerinnen gemein- sam mit dem Dresdner Gnadenchor in einer Choreografie von Johanna Roggan / The Guts Company. Geöffnet ist jeweils ab 19 Uhr. www.schaubudensommer.de WORT: LILLI VOSTRY/BILD: ANDRÉ WIRSIG 4 Satire Vorsicht, Thiel! Wir schütten uns zu Dresden hat eine neue Stufe der Stadtentwicklung erklommen. Nachdem wir oftmals nicht bauten, weil wir uns nicht sicher waren, ob wir es so oder anders wollen bzw. gern warten, bis auch der letzte Dresdner seinen Bautz'- ner Senf dazu gegeben hat, haben wir nun ein Problem mit etwas Vorhan- denem. Stritten wir bisher heftig über eine Brücke und erwogen dabei einen Tunnel, geht es diesmal um einen Tunnel, der da ist, aber weg soll. Oder so. Genau wissen wir es wieder nicht. Wir können uns nämlich nicht festlegen, ob wir den Tunnel zuschütten sollen oder nicht. Oder nur eine Seite. Man könnte denken, es geht um ein kilometerlanges Bauwerk durch das sächsische Hochgebirge, das zu den Weltwundern zählt und dessen Exi- stenz unsere Zukunft als Stadt bestimmen wird, quasi ein Saxony-Gott- hard-Tunnel. Nein, es geht um den kleinen unscheinbaren Fußgängertun- nel zwischen Augustusbrücke und Hauptstraße, unter einer stark befahre- nen Straße hindurch, der dummerweise bei ungünstigem Grundwasser- stand und noch ungünstigerem Elbepegel mit Wasser vollzulaufen beliebt. Wie 2013, weshalb er seitdem geschlossen ist. Und seitdem wird gestritten. Nein, gekaspert! Erst entschied der Stadtrat, den Tunnel zuzuschütten, sagt dann: "War nur ein Gag. Nicht so gemeint." Um nun erneut zuschütten zu wollen. Da haben einige den vollen Tunnel- blick! Im Prinzip geht es um die Frage: Will man einen Tunnel für Fußgän- ger und Radfahrer, der dummerweise manchmal vollläuft und Wartungs- kosten verursacht? Oder schickt man das Fußvolk an einer Ampel über die Straße? Übrigens könnte ich mir auch eine Brücke vorstellen oder einen Kreisverkehr oder eine weitere blaue Verkehrsidylle. Aber Ideen braucht keiner, es geht nur um Kosten. Sinnvoll? Vernünftig? Egal! Zudem kommt eine Entscheidungshilfe ins Spiel, die Fördermittel heißt. Das Zuschütten würde finanziell gefördert. Aha! Warum reden wir dann noch? Macht es! Ich glaube, selbst der Zwinger würde mit genug Fördermitteln sofort pla- niert werden, denn er verursacht Wartungskosten und war bei der Flut auch ein Problem. Ich frage mich manchmal, wie bescheuert Sachsens Kö- nige gewesen sein müssen, den ganzen Barockwahnsinn ohne Förder- mittel zu bauen. Okay, die brauchten keine und haben das Volk bluten lassen. Ist das heute anders? Fördermittel kommen auch vom Volk! Man- che Stadträte glauben, sie hätten den Sachverstand, zu entscheiden, was richtig ist. Dabei entscheiden die meisten nur, was die Partei vorgibt. Jetzt werden Kritiker einwenden, ich hätte auch keine Ahnung. Stimmt, das ist aber in Dresden wurscht, wenn es sich rechnet. Visionen? Was war das noch mal? Hätten wir in Dresden welche, würden wir uns nicht um Karten für Dynamo streiten, weil das Schmuckkästchen überraschend zu klein ist oder könnten große internationale Ballsport- Events in einer richtigen Halle anbieten. Da rede ich noch nicht von Kul- tur- oder Verkehrskonzepten. Nehmen wir mal unsere Partnerstadt Ham- burg. Für verrückte Summen setzen die gerade wahnsinnige Visionen um, z.B. Speicherstadt, Hafencity oder Philharmonie. Und wir? Wir sind schul- denfrei! Aber Hamburg wird man noch in vielen Jahren staunend bewun- dern und in Dresden wird man weiter von der Schuldenfreiheit erzählen. Nur wird uns deswegen keiner besuchen. Höchstens wegen eines zuge- schütteten Tunnels - um darüber zu lachen. S isso! Ciao, Euer Mario WORT: MARIO THIEL / BILD: TOBIAS KADE

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