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BLITZ-05-2016-THUERINGEN

BLITZ! Kunstsammlung Jena Franzosen aus der Schweiz Seit 23. April empfehlen sich die Freundinnen und Freunde der schönen Künste er- neut und gegenseitig die Kunstsammlung Jena. Aktueller Grund dafür ist die bis 14. August gezeigte Schau "La femme au miroir ", welche Druckgrafik vor allem von großen Franzosen vereint. Gesammelt wurden die Werke allerdings in der Schweiz - von der Züricher Coninx-Stiftung. Unmengen prominenter Namen sind vertreten, Paul Cézanne, Marc Chagall, Edgar Degas, Édouard Manet, Henri Matisse, Pierre-Auguste Renoir sowie Henri de Toulouse-Lautrec, der bekanntlich das Pariser Nachtleben in den Rang der Kunst erhob. Über allen aber, so die Kunstsammlung Jena, throne Pablo Picasso, weswegen seine Werke (wie die hier abgebildete 1934er Radierung "Minotaure aveugle guidé par une fillette dans la nuit") die Ausstellung dominieren. Das Ganze scheint auch deshalb in- teressant, weil die Druckgrafik aufgrund ihrer Technik und Verwendung viel näher am Alltag dran ist als Malerei und Bildhauerei. www.kunstsammlung.jena.de WORT: PF/BILD: CONINX-STIFTUNG Shakespeare in Weimar Traum und Wirklichkeit Anlässlich des 300. Geburtstages von William Shakespeare wurde die Deut- sche Shakespeare-Gesellschaft in Weimar gegründet. Das geschah im Jahre 1864. Jetzt, anlässlich des 400. Todestages, zerbricht sich das gehobenere Feuilleton mal wieder öffentlich den Kopf darüber, wer oder wie viele Shake- speare war(en) und ob es ihn als Autor überhaupt gegeben hat. Derweil macht es das Deutsche Nationaltheater Weimar richtig und zeigt den "Sommer- nachtstraum" des großen Rätselhaften - noch fünf Mal bis 28. Mai und zwar in der Redoute. Kunstvoll verwoben werden hier Tag und Nacht (in all ihrer Sinn- bildlichkeit), Traum und Wirklichkeit, Liebe, Wichtigtuerei und das Scheitern von Intrigen. Es gibt die Welt der Menschen und die der Elfen, das Leben der Oberen und das der Unteren, es gibt gegenseitige und einseitige Zuneigung sowie Ablehnung. Und Puck bringt alles durcheinander. Das ist wunderschön anzusehen und wie bei Shakespeare üblich keinesfalls nur Unterhaltung. www.nationaltheater-weimar.de WORT: ELC/BILD: LUCA ABBIENTO 4 Kurz und gut Kudernatschs Kolumne Nicht ohne (m)einen Arzt Auf der Kinderseite unser Zeitung habe ich gelesen, dass im Theater in jeder Vorstellung ein Arzt sitzt. Das ist gut so, falls jemand aus dem Rah- men oder in den Orchestergraben fällt. "Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt", sagt dann der Arzt - und zwar nicht auf dem Weg zum Ausgang, sondern zur Unfallstelle. Egal ob er Zahnarzt, Ohrenarzt oder Or- thopäde ist. So stelle ich mir das vor. Dieser Arzt wird dafür nicht be- zahlt, er bekommt einfach immer zwei Freikarten. Und damit er nicht durchdreht und jedes Stück bis zum Erbrechen wieder und wieder an- sehen muss, wechseln sich die Ärzte ab. Es gibt also keine gleichblei- bende Arzt-Qualität im Theater. Nicht so wie bei den Feuerwehrmän- nern - das sind immer echte Feuerwehrmänner und nicht mal mehr oder weniger Feuerwehrmänner. Mich beunruhigt das sehr, weil ich nicht weiß, welcher Arzt gerade Dienst tut, wenn ich mir zum Beispiel den Fuß auf der steilen Theater- treppe verknackse. Ist es der Augenarzt, guckt er mich ernst an und sagt: "Schauen wir mal!" Ist es der Hautarzt, meint er: "Fasst sich gar nicht gut an." Und der Ohrenarzt könnte verkünden: "Das hört gleich wieder auf." Also sollte man sich sicherheitshalber immer nur so ein Leid zulegen, das zum diensthabenden Doktor passt. Am Theatereingang sollte stehen, wer es ist. Niemand ist heiß auf eine Darmspiegelung im ersten Rang. Aber ich jammere hier auf hohem Niveau. Wir alle sollten vielmehr dankbar sein, dass überhaupt jemand im Raum ist, der den Eid des Hip- pokrates geleistet hat. Gibt's über den eigentlich auch schon eine Oper oder ein Theaterstück? Hippokrates von Kos war der berühmteste Arzt des Altertums - der hätte das voll verdient. Das monumentale Werk könnte heißen "Götter in Weiß" oder "Das Krankenhaus im Zentrum der Stadt" oder "Haben Sie Ihre Chipkarte mit?" Ja, von mir aus macht man es modern und die Serie "In aller Freundschaft" zur wahren Seifenoper. Bis das geklärt ist, sollte der freiwillige Theater-Dienst des Arztes aufge- wertet werden. Etwa durch einen kurzen Auftritt im Stück. Die Oper Er- furt sollte anfangen und ein Zeichen setzen. Bei "Orpheus und Eurydike" könnte eine Allgemeinmedizinerin auf der Bühne geschwind prüfen, was mit Eurydike los ist und dann einen Totenschein ausstellen. Bei "Evita" würde die sieche Hauptdarstellerin kurz vor Schluss eine Opi- umspritze erhalten, um noch eine Nummer durchzusingen. Die "Csár- dásfürstin" bekäme Vitamin B gereicht, um endlich gesellschaftsfähig zu werden. Das wäre Medizin nach Noten. Ging im DDR-Fernsehen früher anders und mit Medizinbällen vor laufender Kamera, aber der Titel ist super. In der Pause dürften Kassenpatienten zugucken, wie der Arzt mit Privat- patienten Sekt trinkt, anregende Gespräche führt und dezent lacht. Und wem beim Zuschauen schummrig wird - der Arzt ist ja gleich in der Nähe. Das würde laufen wie Hulle - und ja, man muss das viel größer und weiter denken. Wahlweise reden wir in der Landeshauptstadt immer von "Theater" oder "Oper" - je nachdem, was wir gerade am Brühl brauchen und eigentlich nicht haben. Wir sollten "Klinikum" hin- zufügen. "Helios 2" wäre ein Selbstläufer, würde heilen und helfen und nie wieder den Kulturetat belasten. Manchmal liegen die Lösungen so nah. Sie stehen einfach zwischen den Zeilen auf der Kinderseite unse- rer Zeitung. WORT UND BILD: ANDRÉ KUDERNATSCH

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