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BLITZ-05-2016-HALLE

12 Musik BLITZ! Nadine Maria Schmidt Ich bin der Regen Aurora All My Demons Greeting Me ... Es gibt Momente, da reibt sich der Hörer die Ohren und versinkt in Demut. Aurora Aksnes, die norwegi- sche Musikmotte mit dem perfekten Stilgefühl, macht auf ihrem Debütal- bum "All My Demons Greeting Me As A Friend" alles richtig. Jeder Ton, jede Melodie, jede Zeile, jedes Wort - absolut dort, wo der optimale Platz ist. Und wenn man ihr beim Sin- gen zuschaut, was ja aufgrund der Geburt des Netzes immer und je- derzeit möglich ist, sieht man, dass sie auch jeden Moment genau so meint. Reine Poesie in Liedern, Me- lancholie, zeitloses Writing und berührend bis in die letzten Zellen der Aufnahmefähigkeit. Und wer da hören kann, der höre! Und finde: Anleihen an die ganz Großen, wie im "Murder Song", wo schon am An- fang Leonard Cohen beim Melodie- bogen gehuldigt wird. Die kleine, kulleräugige Aurora leuchtet ein- fach in der Dunkelheit der konformen Musikgewinnscheffelung. Natürlich erzählt die Plattenfirma eine schöne Geschichte drumherum, von einem alten E-Piano, einem staubigen Dachboden und viel Heimlichkeit, doch dies braucht das Album gar nicht, ist Aurora doch in allem, was sie da abliefert, völlig faszinierend. Es sind ganz eigene Stücke da aus dem Norden, von Wintervögeln, Er- oberern und lyrischem Mit-den-Wöl- fen-Ziehen. Da liegt Schnee und Menschenleere und dazwischen hüpft und malt eine körperlich fast winzige, aber in ihrer Strahlkraft rie- sige Künstlerin herzenswarme Bilder in Musik in die zwischenmenschli- che Ödnis. Ihre Produzenten Mag- nus Skylstad und Odd Martin Skal- nes jedenfalls waren von ihrem Ma- terial so angetan, dass sie ihre Pro- duzentenburg abschlossen und mit ihr zusammen nun als ihre Band die Welt bereisen - um uns allen etwas Licht zu schenken. Eine Aurora eben. VOLLY TANNER "Lieder aus Gedichten" verkündet die Unterzeile. Also erstmal im Book- let geblättert: Lyrik in einer verrück- ten Zusammenstellung von der Ro- mantik (von Eichendorff, Droste- Hülshoff) über das Biedermeier (Eduard Mörike) bis zur Moderne der Rilke (für die Ewigkeit: "Der Panther") oder Else Lasker-Schüler und noch weit darüber hinaus. Spontane Reaktion: Unvertonbar. Schon gar nicht kann sich diese dem Außenstehenden eher zufällig schei- nende Reihung von in Sprachgestus und -duktus sehr verschiedenen Ge- dichten vertont zu einem stimmigen Album fügen. Doch wer die Leipzi- gerin kennt, die erst reif und klug und danach Musikerin wurde (mei- stens ist das umgekehrt, was dazu führt, dass wir so viele picklige Plat- ten erdulden müssen), der weiß, dass ihr und ihrer Band ein ganze Menge zugetraut werden darf. Tatsächlich ist das Ganze nuanciert, gefühlvoll und vielfältig intrumen- tiert, der Schwerpunkt liegt auf Piano, Bass und Cello. Die Chefin kann vokal eine erhebliche Band- breite im Timbre abrufen - von unbe- schwertem Frohsinn über sanfte Her- zenswärme bis hin zu dunkel-rauer Erfahrenheit. Ihr fallen zu komplexer Lyrik immer wieder einfache, zwin- gende Melodien ein. Am Ende geht es doch nicht ohne Brüche ab. Manches gerät - die Logik der Texte schließt anderes eigentlich aus - stark kunstliedhaft. So haben die ein- zelnen Lieder eine erheblich diffe- rierende Konsumierbarkeits- schwelle, meint: Das Album ist nicht einfach durchhörbar. Das ist aber bei der hohen Dichte an tiefen Tex- ten sowieso schwer; der Hörer sollte sich eher als Perlentaucher versu- chen, immer mal wieder einzelne Stücke herausfischen und sich ihnen ausführlich widmen. Am Ende hat dann jeder seine eigene Kette aus Kostbarkeiten gereiht. FRODO WAWRZYNIAK Mayjia Ein Glück Lao Xao Trio Múa ô (Regenschirmtanz) Mac DeMarco Another One mein favorit Da ist sie wieder, diese eiernde Gitarre, die nicht genau weiß, wo sie hin möchte. Und die dieses Mal einen Abstecher zum britischen Pop macht. Mac DeMarcos neues Studioalbum "Another One" schlägt bei weitem nicht solche musikalischen Hacken wie sein Vorgänger, sondern kommt offener und ruhiger daher. Der kanadische Singer/Songwriter hat seine vierte Platte zwischen ein paar Tour-Terminen einfach mal so in zweieinhalb Wochen geschrieben und produziert. Dies hört man ihr aber nicht an, denn sie zeichnet sich zwar durch eine puristische und einfache Umsetzung aus, welche aber ein hohes Maß an Fertigkeit erkennen lässt. Besonders der hüpfenden Basslauf von "No Other Heart", gepaart mit dem fast strengen englischen Stil des Indie-Pop, wird so- wohl die bisherigen Fans als auch die überzeugen, die erst jetzt auf ihn stoßen. Und somit fungiert "Another One" als Hommage an den britisch geprägten Pop- Rock, mit dieser Gitarre, die so wundervoll herumeiert und DeMarcos beson- derem Stil aus Indie- und Psychedelic Rock, Jangle Pop und Jizz Jazz. SABINE KIRCHNER, DESIGNERIN, HALLE WWW.BEHANCE.NET/SABINEKIRCHNER Die bezaubernde Khanh Nguyên ist Deutsche, mit zwei hiesigen Mitmusi- kern an Gitarre und Cello spürt sie den musikalischen Traditionen der Heimat ihrer vietnamesischen Eltern nach. Das klingt aber auch auf Album Nr. 2 nicht so unschuldig-put- zig, wie sich so mancher Allerwelts- konsument vietnamesische Musik von seinem Stammasiaten her vor- stellt. Es ist zwar - besonders, wenn sie mit glockenheller Stimme singt - durchaus exotisch, aber sehr an- spruchsvoll und europäischem Jazz viel näher als ethnischem Folk. FW Eigentlich heißt die schöne Leipzige- rin nur Maja. Mit Nachnamen Gille - sie ist tatsächlich die Tochter des bekannten Malers. Auf dem Löwen- zahn-Label ist sie mit einer sechs- köpfigen Studioband und einer hel- len, sehr klaren Stimme im Lieder- macher- bzw. Chansonpop unter- wegs. Mal frech, flott und fröhlich, mal sehr persönlich und nachdenk- lich. Mal eher versunken, mal ganz nah dran am Radioschlager. Her- ausragend wird's, wenn Gitarrist Norman Dassler seine starken Sai- ten präsentieren darf. FW

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