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BLITZ-05-2016-DRESDEN

6 Theater Seit Anfang Mai lockt uns wieder romantisches und komisch-hinter- gründiges Sommertheater voller Träumereien, Visionen, Sehnsüchte und Wünsche zum Besuch. Insge- samt sieben Inszenierungen, darun- ter zwei Premieren kommen auf die Bühne in dem urigen alten Back- steingemäuer am Königsbrücker Platz im Hechtviertel. "Es wird wie- der eine Mischung aus Bewährtem und Experimentellem zu sehen sein", sagt Jörg Berger, Regisseur und Vereinsvorsitzender der Thea- terruine. Nach dem Ausbau vor drei Jahren, mit wetterfestem Glasdach, hat sich auch die Akustik verändert, was sprechtechnisch nicht immer leicht ist für die Spieler, da sie im ge- samten Gemäuer interagieren und ohne technische Unterstützung aus- kommen müssen. "Wir sind immer noch in der Ken- nenlernphase des Raums, sehen, was hier sein Zuhause finden will", so Berger. Für Musiktheater und Konzerte von Bands wie Chören sei er, der Raum, vom Klang gut geeig- net. Entsprechend viele finden sich im Spielplan. Eröffnet wurde die Saison mit "Volpone oder Der Fuchs" (Foto), einer Komödie von Ben Jonson, einem Zeitgenossen und Rivalen Shakespeares, in einer Bearbeitung von Stefan Zweig. In dem turbulenten und fabulierfreu- digen Stück, so Berger, führt der rei- che Kaufmann Volpone mit Hilfe seiner gerissenen Diener die hab- gierigen Erbschleicher an der Nase herum. Kostüme und Ausstattung sind angelehnt an die Commedia dell' arte und auch etwas skulptural. Als nächstes feiert "Faust rockt!", ein Schauspiel mit Musik von Manfred Tauchen frei nach Goethes Klassi- ker "Faust I", am 4. Juni Premiere in der Theaterruine. Erzählt wird über den alternden Faust, der in Auer- bachs Keller sitzt, trinkt und von ewi- ger Jugend, Frauen und seinem Durchbruch als Dichter träumt. Während Mephisto, genannt "Bubi", gern ein böser Teufel wäre. "Dabei gibt es eine Umkehrung aller Figuren in dieser Inszenierung, und sie endet auch nicht als Tragö- die", verrät Berger. Da wird es auf der Bühne eng mit rund 20 Akteu- ren und Chorsängern. Im Programm mit 75 Theaterauf- führungen und vielen Konzertgast- spielen ist für jeden Geschmack etwas dabei: Paul Hoorn und Freunde spielen ein Liederpro- gramm am 22. Mai. Das Musiker- Duo Café del Mundo aus Köln kommt am 30. Juni und die Serko- witzer Volksoper ist vom 11. bis zum 13. Juli mit ihrem Musiktheater- stück "Entführung auf dem Jahr- markt" zu Gast. www.pauliruine.de WORT: LILLI VOSTRY/ BILD: P.D. Theaterruine St. Pauli Von Fuchs bis Faust Unter dem Motto "Sommer der Träume" werden unter anderem Geizhälse lustvoll entlarvt und rockt Faust durch die neue Spielzeit in der Theaterruine St. Pauli. BLITZ! Den Opernbesucher erwartet eine Auseinandersetzung mit dem Selbstbild und der moralischen Rolle des Künstlers, eingebettet in eine Handlung zur Zeit von Refor- mation und Bauernkrieg, die nicht mit den düsteren Kapiteln dieser Epoche geizt, in eher spröde Melo- dien gesetzt und von einer kompli- zierten Aufführungsgeschichte über- schattet ist. Die Inszenierung von Jochen Bigan- zoli, die am 1. Mai in der Sem- peroper Premiere feierte, räumt nun mit dem Vorbehalt der sperrigen Oper auf. Es bleibt eine auf- wühlende, teils verstörende Hand- lung, die das Ringen um moralische Integrität der Protagonisten rahmt, die aber den Zuschauer mit beein- druckenden Bildern und einer wun- derbar gespielten und gesungenen Musik drei Stunden in Atem hält. Angesiedelt wird die Handlung durch Ausstattung (Andreas Wil- kes), Kostüm (Heike Neugebauer) und Gestik in der Gegenwart, ohne dass der historische Kontext verleugnet wird. Vor der Ebene des 16. Jahrhunderts erscheinen Krieg, Zerstörung und Verfolgung als etwas Zeitloses, dem es immer wieder eine persönliche Entschei- dung gegen Gewalt entgegenzu- setzen gilt. Jochen Biganzoli entwickelt diesen eher abstrakten Inhalt anhand ein- facher, dem Publikum vertrauter, klug gesetzter Gesten zu einer spannenden Geschichte, die nach der Verantwortung jedes Einzelnen fragt und bilderreich von den Mög- lichkeiten und Gefährdungen von Kunst erzählt. Natürlich würde die Inszenierung nicht funktionieren ohne die großarti- gen Leistungen der Solisten und des Ensembles. Markus Marquardt als Mathis singt und spielt anschaulich die Wandlung vom lebensfrohen Künstler in gesicherter Existenz hin zum Zweifelnden und Getriebenen. Faszinierend ist auch John Daszak als Kardinal Albrecht von Brandenburg, der seine Figur zwischen dem be- herrschten und kühl kalkulierenden Machtmenschen, dem treuen Freund und einem zwischen Glauben und Sinnlichkeit zerrissenen Mann schil- lern lässt. Herbert Lippert zeigt einen kraftvollen Bauernführer Hans Schwalb, und An- nemarie Kremmer gelingt in ihrer Rolle als protestantische Bürgertoch- ter Ursula eine verstörende Darstel- lung von religiösem Fanatismus. Die Staatskapelle unter Simone Young und der Opernchor unter Jörn Hinn- erk Andersen überzeugen wie immer. WORT: JUDITH WOITTENNEK BILD: JOCHEN QUAST Nächste Vorstellung: 20.05. Semperoper Mathis der Maler in der Semperoper Von Kunst und Gefahr Paul Hindemiths Oper "Mathis der Maler" über den Maler Matthias Grünewald ist nicht das, was man unter einem leichten und gefälligen Werk versteht.

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