Film 160x600_content
Frei.Wild

Frei.Wild

Frei.Wild im Interview

Unser Credo ist die politische Mitte


Frei.Wild sind erfolgreich. Frei.Wild polarisieren wie wenige andere Bands. Frei.Wild kommen jetzt wieder auf Tournee. BLITZ! hatte im Vorfeld Gelegenheit, mit Sänger Philipp Burger zu sprechen.

BLITZ!: Das aktuelle Album überrascht mit Ausflügen in Richtung Ska und Reggae. Woher die Affinität? Gab es viele verwunderte Reaktionen?
Philipp Burger: Nun, das gerade erwähnte Album "15 Jahre Deutschrock und SKAndale" ist ja im Grunde kein offizielles Bandalbum. Das haben wir auch immer so kommuniziert. Es ist eine Art Projektalbum, das wir explizit zum 15jährigen Bandjubiläum gemacht haben. Dieses sollte unsere Freude, die gute Stimmung in unserer Band, vor allem aber auch unsere Dankbarkeit über all das Erlebte zum Ausdruck bringen. Offbeat-Gitarren, Trompeten und Saxofone, aber auch viele andere zusätzliche Instrumente haben zusammen mit den echt positiven Themen dennoch ein Album erzeugt, das jetzt wider unserer Erwartung kurz vor Gold steht. Wie gesagt, es ist ein sehr beliebtes Werk in der Fanfamilie, das aber natürlich mit dem sonstigen Frei.Wild-Kram nicht wirklich vergleichbar ist. Es ist schon was Besonderes und das auf ganzer Linie, das sehen auch unsere Fans so. Es sollte aber auch anders klingen, eben viel locker-flockiger als unser sonst doch auch eher härterer Deutschrock. Wir wollten schon viele Jahre lang ein Ska-Album, da haben wir uns sozusagen selber einen persönlichen Wunschtraum erfüllt.

BLITZ!: Werdet Ihr diesen Trend auf dem kommenden Album "Rivalen und Rebellen" ausbauen?
P.B.: Nein, nicht wirklich, zumindest nicht so konsequent. Dieses aktuelle und am 16. März erscheinende Album "Rivalen und Rebellen" ist wieder ein Werk, das den typischen, wenn auch dieses Mal noch vielfältigeren Frei.Wild-Sound verkörpert. Es wird rockig, teils hart, teils balladesk, von der Themenwahl her auch ultrabreit und wird unsere Liebe und Symphatie für diese sehr tanzbare jamaikanische Musikrichtung names Ska aber zumindest in einem Lied mehr als deutlich spüren lassen. Also so ein bisschen hat der Ausflug in die Ska-Welt durchaus Spuren hinterlassen.

BLITZ!: Viele sahen Euch über Jahre als die heißesten Anwärter auf den verwaisten Thron der Onkelz. Wie habt ihr diese Vergleiche empfunden?
P.B.: Wir sind Frei.Wild, wir sind wir selber, also eine Band mit eigenem Klang und Credo, das hat mit der Band Onkelz nichts zu tun. Weder musikalisch noch von der Attitüde her. Und dennoch, die Onkelz waren eine der wichtigsten Bands unserer Jugend. Auch für uns persönlich. Da haben wir von Anfang an eine Lanze für die Onkelz brechen wollen und uns immer als Hörer geoutet. Heute tun wir das nicht mehr, einfach weil schon die Onkelz selbst nicht zu erkennen scheinen, wie wichtig diese "Deutschrockszene" war, um ihr Feuer überhaupt am Leben zu halten. Wie gesagt, wir schauen auf uns selber und genau das haben wir schon immer gemacht. Wir wünschen jeder Band, insbesondere Gonzo, den ich noch immer als guten Freund sehe, alles Gute.

BLITZ!: Die anstehende Tournee wird die größte der Bandgeschichte. Was erwartet das Publikum an Highlights? Vielleicht eine Off-Beat-Bläser-Sektion?
P.B.: Nun, vielleicht auch das, aber ja, wir haben uns schon einiges an Highlights einfallen lassen. Ich hoffe, ich treffe die Tasten, mehr sage ich hier besser nicht (lacht). Ich denke, das alles, was wir uns zusammen mit durchaus einfallsreichen Leuten aus der Crew ausgedacht haben, wird selbst für uns eine kleine Überraschung sein. Kreativ waren wir jedenfalls. Die Leute können also mehr als gespannt sein, und mehr möchte ich auch gar nicht verraten.

BLITZ!: Seit 15 Jahren gibt es diverse Vorwürfe. Beweise für irgendetwas gab es nie, Ihr habt Euch immer wieder eindeutig erklärt - trotzdem hört es nicht auf. Kotzt es Euch noch immer an oder hört Ihr da längst schon nicht mehr hin?
P.B.: Nun, was sollen wir sagen, in der Frage ist schon ein Großteil der Antwort enthalten. "Seit 15 Jahren gibt es diverse Vorwürfe. Beweise für irgendetwas gab es nie." Was sollen wir dazu sagen? Einmal ärgert es einen, dann ist es einem auch wieder egal. Wieder ein anderes Mal haben wir tatsächlich sowas wie Mitleid für teilweise echt überforderte Journalisten, die in 20 Minuten irgendwas über uns zusammensuchen sollen und dann einen guten Artikel abgeben müssen. Ich meine, wie in Gottes Namen soll dies jemand schaffen, wenn echt fast nur Scheiße im Netz steht? Ich glaube, wir fahren am besten, wenn wir uns wie bisher nicht abkapseln, uns offen den Fragen stellen und im Grunde einfach das machen, was uns entspricht. Und unser Credo ist die politische Mitte. Wir sind eine Band aus Südtirol, die den ganzen Zirkus um sich durchaus wahrnimmt, aber dabei ihren Weg geht, der sich für uns immer noch um unsere Musik dreht und nicht um Politik. Wir genießen das Schöne und Gute in und um diese Band - die Konzerte, die Momente mit den Fans, das Privileg, unsere Kreativität in neue Songs fließen lassen zu dürfen. Und das wiederum ist weitaus öfter vorhanden als dieses echt lächerliche Gerede echt lächerlicher Geister.

BLITZ!: Seit einiger Zeit habt Ihr in den Top Ten Gesellschaft von Unantastbar um Joggl Bergmeister. Ihr kennt Euch lange, sie kommen ja auch aus Brixen. Seid Ihr befreundet?
P.B.: Natürlich sind wir das. Wie wir das, um genau zu sein, mit so ziemlich jedem anderen Musiker in unserer Stadt auch sind, nur etwas enger. Mit Joggl habe ich den größten Teil meiner Jugend verbracht. Die Freundschaft hat bis heute gehalten. Und auch das ist wahr, fast alle meiner engsten Freunde habe ich schon seit dem Kindergarten oder spätestens seit der Grundschule.

BLITZ!: Das schöne Brixen im Traumland Südtirol hat nur wenig über 20.000 Einwohner - und jetzt zwei Top-Ten-Bands. So etwas gab noch nie. Ein hartes Pflaster bei Euch?
P.B.: Ja, furchtbar hart (lacht). Nein, was heißt hartes Pflaster? Ich glaube, jeder Ort dieser Welt hält denen, die für ihr Ziel arbeiten und dabei fokussiert bleiben, Möglichkeiten bereit, ihre Träume zu leben. Was an der Südtiroler Mentalität schon auffällig ist, ist, dass diese echt allgegenwärtige Beharrlichkeit, was aus sich zu machen, von Kindesbeinen an eingetrichtert und mitgegeben wird. Das vielleicht ist auch der Grund für Südtirols Wohlstand, die wirklich gepflegten Wälder und Wiesen, aber auch für Bands wie uns, die Kastelruther Spatzen und viele, viele weitere, die ihren Traum vom Berufsmusiker professionell leben dürfen.

BLITZ!: Wie versteht Ihr Euch eigentlich mit der anderen Fraktion der einheimischen deutschsprachigen Musik, nennen wir sie mal die akkordeongestützte Alpen-Gaudi-Fraktion? Euch eint auf jeden Fall die tiefe Heimatliebe. Kennt und akzeptiert man sich?
P.B.: Ja, sehr sogar. Wir haben, um es ehrlich zu sagen, mit der ganzen Volksmusiker- und Schlagerwelt einen weitaus besseren Kontakt als mit allen Rock- oder HipHop- oder Sonstwas-Künstlern aus Deutschland. Nicht, weil wir sie nicht mögen, nein, wir haben mit niemandem ein Problem, nur ist es so, dass zumindest mehr als nur die halbe Liga der Musikschaffenden aus Deutschland schlichtweg einen Bogen um uns macht. Die einen wollen sich nicht die Finger verbrennen, den anderen kommt es vom Medienecho her grad recht, wenn sie gegen uns wettern. Ich selber schreibe ja auch viel für andere Bands und Sänger aus den Bereichen Pop, Rock, Schlager, Volksmusik oder Singer/Songwriter. Entweder tue ich das unter meinem Namen oder einem extra angelegten Pseudonym. Auch hier stelle ich fest, dass bis auf wenige Ausnahmen die bodenständigsten und unkompliziertesten Künstler nicht aus dem Pop oder dem Rock kommen, sondern aus der Volksmusik und dem Schlagerbereich. Vielleicht auch deshalb, weil sie einfach weniger Komplexe und Ängste haben, eine über die Löffel gezogen zu bekommen. Themen wie Heimat und Tradition, die uns ja auch wichtig sind, sind nun mal untrennbar mit dieser Musikrichtung verbunden. Wie wir es in Bezug mit uns selber ja auch so empfinden. Deutsche Rockmusik scheint mit solchen Befindlichkeiten jedenfalls echt ein Problem zu haben. Es gibt viele echt divenhafte Möchtergern-Rockstars mit Starallüren, die ihren "Everybody's Darling-Auftrag" jeden Tag aufs Neue erfüllen müssen. Ich bin ganz froh, da nicht dazuzugehören.


www.frei-wild.net


Konzerte:

08.02. Thüringen-Halle, Erfurt
25.02. Maritim Hotel, Dresden
18.03. Steintor-Varieté, Halle
20.03. Haus Auensee, Leipzig
21.03. Stadthalle, Chemnitz


Wort: FW / Bild: Patrick Schneiderwind