Mario Thiel

Mario Thiel

Vorsicht, Thiel!

Plastik-Panik


Die Europäische Union kümmert sich plötzlich um Müll. Nein, ich meine nicht das Verhältnis zu Donald Trump. Es geht speziell um Plastikmüll. Da hat RTL II noch mal Glück gehabt, werden jetzt manche denken. Wieder andere vermuten einen Frontalangriff auf KiK, TAKKO, PRIMARK oder wie die heißen, diese Produzenten und Verkäufer von Klamotten, die zu mehr als neunzig Prozent aus PVC-ähnlichen Abfällen bestehen, darum nicht mehr als fünf Euro kosten und bei denen man beim Tragen nach wenigen Minuten derartig stinkt, dass die kostenlose Mitgabe eines Deos eigentlich Pflicht wäre. Aber auch da muss ich leider Entwarnung geben. Diese Produkte der modernen Sklaverei dürfen weiterhin vertrieben werden, im Gegensatz zu den Müllsünden der Neuzeit, wie Plastikbesteck, Ohrstäbchen und Luftballonhalter.
Was man vorhat? Man will bestimmte Plastikprodukte schlichtweg verbieten bzw. teurer machen, da immer mehr Plastikmüll in den Meeren landet und sich bekanntlich nicht so schnell abbaut wie der gesunde Menschenverstand bei manchem Regierungschef auf dieser Welt. Allein die Ankündigung, das tun zu wollen, hat eine riesige Empörung verursacht. Weniger wegen der Ohrstäbchen als vielmehr wegen des Plastikbestecks, welches manche in einer guten Sterneküche für unabdingbar halten. Allerdings kam der angsterfüllte Aufschrei gar nicht von den Kunden, sondern von denen, die uns erst an das Plastikzeug gewöhnt haben. Nicht zu vergessen, das Totschlagargument jeder Diskussion, dass nun mindestens alle Arbeitsplätze in der Gastronomie bedroht sind. Wo genau liegt aber das Problem? Ist ein anderes als das Plastikbesteck noch nicht erfunden? Nein, es geht schlicht um den Aufwand und um Geld. Ich kann mir übrigens gut vorstellen, dass es eine Umstellung werden würde und die Currywurst darum vielleicht zehn Cent mehr kosten könnte. Aber, wenn alle denselben Mehrpreis verlangen, bleibt es doch immer noch ein relativ fairer Wettbewerb.
Übrigens sind bisher die wenigsten vorhergesagten Katastrophen auch eingetreten! Nehmen wir die LKW-Maut. Da hat eine ganze Branche versucht, uns zu erklären, was die Auswirkungen dieser Maut sein werden. Kaum noch LKW auf den Autobahnen. Massensterben von Fuhrunternehmen. Tausendfacher Selbstmord deutscher Spediteure. Ich glaube, die rechte Spur deutscher Autobahnen sagt etwas ganz Anderes! Oder der Mindestlohn, der die deutsche Wirtschaft auf den Stand kurz vor der Weltwirtschaftskrise bringen würde und die daraus resultierende Massenarbeitslosigkeit. Dann versucht mal, einen Handwerker zu bekommen! Ja, in diesem Jahr noch. Da habe ich das vorhergesagte Tankstellen- und Apothekensterben, die Dauerexplosionen der Automotoren dank E10, die Stromausfälle wegen der Abschaltung der AKW und vieles mehr noch gar nicht erwähnt.
Apropos AKW, es geht doch nicht mehr nur um die Produkte, sondern zunehmend um deren Rückstände und dessen Entsorgung. Und wenn das der Kleingärtner für seine Scheiße können soll, warum dann nicht auch die Industrie für ihre Scheiße? Vielleicht wäre es ganz praktisch, Panikreflexe wegzulassen und durch kreative Problemlösungen zu ersetzen? Das soll mal die Stärke deutscher Tüftler und Ingenieure gewesen sein.
Ich habe jedenfalls keine Lust darauf, irgendwann das Wasser im Meer zu suchen, zwischen all den Plastikpartikeln. Und für alle Egoisten der Hinweis, dass es manchmal um etwas Größeres geht als nur um Euch!

Schönen Sommer, Mahlzeit und ciao,
Euer Mario


Internet:

www.vorsicht-thiel.de


Wort: Mario Thiel / Bild: Tobias Kade